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Sonderausstellung der Staatlichen Münzsammlung
"Statthalter - Rebellen - Könige"
Dareios II., 1. Jh. v. Chr., Drachme, Kopf mit Lederhaube
Dareios II., 1. Jh. v. Chr., Drachme,
Kopf mit Kronhaube

Die Münzen aus Persepolis von Alexander dem Großen zu den Sasaniden

In ihrer neuen Sonderausstellung zeigt die Staatliche Münzsammlung München über 200 Münzen der regionalen Herrscher des iranischen Kernlandes, der Landschaft Persis (die heutige Provinz Fars) um das antike Persepolis, aus der Zeit der fünf sogenannten "dunklen Jahrhunderte" vom 3. vorchristlichen bis zum frühen 3. nachchristlichen Jahrhundert.

Der Bestand der Staatlichen Münzsammlung an diesen interessanten Münzen geht zum großen Teil auf eine Schenkung zurück, die damit der Öffentlichkeit präsentiert wird. Zur Ausstellung ist ein Katalogbuch erschienen, das von der Staatlichen Münzsammlung und im Buchhandel zum Preis von 18 Euro zuzügl. Versand zu erwerben ist.

Für unsere Kenntnis über die Zeit der Fürsten der Persis sind die Münzen mit Abstand die wichtigste Quelle. Es gibt nur wenige kurze Passagen bei griechischen Autoren, die zumal nur ungenau einzuordnen sind, kaum archäologische Zeugnisse und nur eine einzige kurze Inschrift. Nur der letzte Persis-Fürst, der Begründer des Sasanidenreichs, ist durch die Annalen des Tabari, seine Paläste und Stadtgründungen gut bezeugt.

Die welthistorische Bedeutung der Fürsten der Persis liegt darin, dass sie, ohne je selbst ein Großreich begründet zu haben, doch die alte iranische Tradition am Leben erhielten und so die Voraussetzung schufen für die auf dieser Tradition fußende Neugründung des neupersischen Großreichs über 500 Jahre später.

In den auf den Tod Alexanders des Großen im Jahr 323 v. Chr. folgenden Kriegen unter seinen Nachfolgern erlangte Seleukos die Herrschaft über Syrien, Mesopotamien, den Iran und die östlicher gelegenen Gebiete. Seleukos begründete die Dynastie der Seleukiden.

Bereits um das Jahr 280 v. Chr. begann jedoch ein Fürst namens Baydad im Gebiet der Persis (heutige Landschaft Fars) mit der Prägung eigener Münzen. Er nannte sich Frataraka (etwa: Unterstatthalter) und begnügte sich mit der Lederkappe, wie sie lokale Fürsten zur Zeit der Achaimeniden getragen hatten. Dieser Fürst erkannte also die Oberhoheit der Seleukiden an, und diese tolerierten ihn dafür offensichtlich auch.

Auf den Münzrückseiten der ältesten Münzen sieht man den Fürsten auf einem Thron sitzend (Abb. 1) ähnlich wie bei Darstellungen des thronenden persischen Großkönigs. Auf der zweiten Serie des Fürsten Baydad steht der Fürst in Gebetshaltung vor einem Gebäude, das als Feueraltar oder Feuertempel beschrieben wird (Abb. 2) und wohl vom Vorbild des Gebäudes Kaabah i Zerduscht bei den Königsgräbern von Naqsch i Rustam abgeleitet ist (Abb. 3). Vorbild für den vor einem Kultgebäude stehenden Herrscher sind die Reliefs der Königsgräber.

Die auf Baydad folgenden Fürsten Ardashir I., Vahbarz und Vadfradad tragen eine ranghöhere Kopfbedeckung, die Tiara der Satrapen, behalten aber den Titel Frataraka / Unterstatthalter bei.

Vahbarz hat offensichtlich gegen die Seleukiden Krieg geführt. Er nahm zeitweise den Titel Karanos / Oberbefehlshaber an und prägte (ganz seltene) Münzen, auf deren Rückseite der persische Großkönig einen griechischen Krieger erschlägt (Abb. 4). Vorbilder hierfür sind Siegeldarstellungen der Achaimenidenzeit. Das Münzbild zeigt, dass sich der Fürst der Persis in die Tradition des alten persischen Großreichs stellt, ohne dass er selbst aber den Anspruch auf die Stellung eines Großkönigs erhebt.

Bei Vadfradad schwebt das Farnah, die Personifikation des "königlichen Glücksglanzes", über dem Feuertempel auf der Münzrückseite. Auch Vadfradad führte wohl Krieg gegen die Seleukiden. Bei einer Münzserie steht hinter dem Herrscher vor dem Feueraltar eine (griechische) Siegesgöttin (Abb.5).

Nach Vadfradad gab es eine längere Pause in der Münzprägung, die Seleukiden beherrschten die Persis wohl wieder unmittelbar. Danach setzte im 2. Jahrhundert v. Chr. die Münzprägung der Persis erneut ein (Abb. 6), die neuen Herrscher trugen aber eine andere Kopfbedeckung, und aus dem Feuertempel auf der Münzrückseite wurde allmählich eindeutig ein Feueraltar. Bald nahmen die Herrscher den Königstitel an.

Nach dem Zurückdrängen der Seleukiden durch die Parther, die in Iran und Mesopotamien ein neues Großreich gründen, fiel die Persis unter deren Oberhoheit. Die Könige von Persis behielten jedoch ihre herausragende Stellung und prägten weiterhin Münzen, deren Porträtstil sich allerdings immer stärker den Vorbildern der parthischen Münzen anglich. An Kopfbedeckungen wechselten sich das Diadem, eine Zinnenkrone und eine Kronhaube ab (Abb. 7-8).

Außer durch den Stil lassen sich die Münzen des 2. und 1. Jahrhunderts v. Chr. in der Persis auch dank der häufigen Verwendung der Filiation (Nennung des Namens des Vaters) in eine chronologische Reihenfolge bringen. Zeitweise herrschten auch mehrere Linien, entweder gleichzeitig oder nacheinander in Konkurrenz oder auch in friedlicher Gemeinschaft. Für den Zeitraum bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. sind etwa 18 Herrscher namentlich und durch ihre Münzserien nachweisbar.

Die meisten Herrscher entschieden sich für eine Kopfbedeckung, die sie auf ihren Münzen dann beibehielten, nur selten wurde innerhalb einer Regierungszeit variiert. Der Stil der Rückseitenbilder - Herrscher vor Feueraltar - änderte sich im Lauf der Zeit, neue Rückseitenbilder kamen hinzu: Stern und Halbmond (Symbole der Göttin Anahita, die in Istakhr, der Hauptstadt der Persis in dieser Zeit, verehrt wurde), der König vor Stern und Halbmond (Abb. 9), ein stilisiertes Diadem, ein zweiter Kopf, der Vater des Königs oder auch der Thronfolger.

Wahrscheinlich dasselbe Herrscherhaus - die kleinen Beizeichen, Symbole im Feld der Münzen bleiben dieselben, in den Münzbildern gibt es keinen Bruch - herrschte dann auch im 2. Jahrhundert n. Chr. Sieben Herrscher sind für diese Zeit durch ihre Münzen belegbar. Das häufigste Bild der Münzrückseite ist nun die zweite Büste (Abb. 10).

Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. stürzte Pabag, des Priesters der Göttin Anahita in Istakhr, die regierende Dynastie in der Persis. Neuer König wurde zunächst sein älterer Sohn Shapur, gegen den sich dann dessen jüngerer Bruder Ardashir erhob. Über diese Ereignisse sind wir durch die Annalen des iranischen Historikers al-Tabari (839-923) genau unterrichtet. Die Münzen für Shapur und Ardashir, die auf den Rückseiten jeweils ihren Vater Pabag zeigen (Abb. 11), illustrieren die Geschichte Tabaris.

Ardashir erhob sich gegen den letzten Großkönig der Parther, Artaban IV., besiegte ihn und trat dessen Nachfolge als neuer Großkönig an (Abb. 12). Ardashir gründete das Großreich der Sasaniden (benannt nach seinem Großvater Sasan), die sich als Nachfolger des alten persischen Großreichs der Achaimeniden sahen. Sie erhoben daher Anspruch auf alle Gebiete, die jemals zum persischen Großreich gehört hatten, und gerieten somit in einen dauernden Konflikt mit dem römischen Reich.

"Statthalter, Rebellen. Könige". Die Münzen aus Persepolis von Alexander dem Großen zu den Sasaniden. Sonderausstellung. Staatliche Münzsammlung München, Residenz, Eingang Kapellenhof, Residenzstraße 1, D-80333 München; Täglich außer Montag 10.00 bis 17.00 Uhr

Der Ausstellungskatalog ist zum Preis von 18,- Euro an der Kasse oder im Versand zuzügl. Versandkosten erhältlich.

Zahlen, Daten, Fakten
Die Staatliche Münzsammlung München geht auf Bestände der Schatzkammer Herzog Albrechts V. von Bayern
(1550 - 1579) zurück.
  
Sie ist eine der größten numismatischen Fachsammlungen der Welt.
  
Ihre Sammlung umfasst 300.000 Objekte.
  
Seit 1963 in der Residenz.
  
15 Mitarbeiter
  
Größte Fachbibliothek mit rund 26.000 Titeln.
  
Schwerpunkte der Sammlung sind Renaissance-Medaillen und der bayerische Geschichtstaler.
  
Soll die größte Geldscheinsammlung der Welt als Dauerleihgabe übernehmen.

 


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