Start     Museum    Sammlung    Ausstellung    Bibliothek    Publikationen    Numismatik   Presse

Bilder
Pressemitteilungen

Pressemitteilung zur Sonderausstellung "Japanische Lackkunst"

Die japanischen Lackmöbel der Staatlichen Münzsammlung München

Offizielle Ausstellung im Rahmen der Reihe
"150 Jahre Freundschaft Deutschland - Japan"

Kabinett mit einer Picknick-Gesellschaft, zweite Hälfte 17. Jahrhundert (Foto: Nicolai Kästner)
Kabinett mit einer Picknick-Gesellschaft
Möbel Europa, Anfang 18. Jahrhundert,
Lackarbeit Japan, zweite Hälfte
17. Jahrhundert (Foto: Nicolai Kästner)

Die Ausstellung führt in drei Stationen durch die japanische Lackkunst: Den Auftakt bilden Behältnisse und Waffen mit Lackdekor aus den Beständen des Staatlichen Museums für Völkerkunde München. Im Mittelpunkt steht die außergewöhnliche Sammlung von 22 Kabinettschränken der Staatlichen Münzsammlung München, die seit dem späten 17. Jahrhundert durch Fürsten des Wittelsbacher Hauses, vor allem Kurfürst Max Emanuel (1679-1726), aufgebaut wurde. Diese in Europa wohl bedeutendste Sammlung
japanischer Lackkabinette ist in der
Ausstellung nach langer Zeit wieder vollständig zu sehen. Am Ende der Schau sind Kleinobjekte aus Lack, z. B. Siegelbehälter, zu sehen, die für den japanischen Markt gefertigt wurden.

Die japanische Lackkunst

Die materielle Grundlage der Lackarbeit ist der Saft des ostasiatischen Lackbaums (lat. Rhus verniciflua). Der Saft wird aus dem Harz des Lackbaums gewonnen, gereinigt und zumeist mit Pigmenten eingefärbt. Das zähflüssige und feuchtigkeitsbeständige Harz kann auf vielen Materialien aufgetragen werden und dient nach dem Trockenvorgang als Schutzüberzug. Wegen des Glänzens im Licht und der durch Schleifen und Polieren erzeugten Glätte trägt Lack in hohem Maße zur Verschönerung von Oberflächen bei. Von China aus gelangte die Lackkunst noch in prähistorischer Zeit auf die japanische Inselwelt.

Während der Nara-Periode (710-784) erfand man in Japan eine Dekortechnik, bei der unterschiedlich beschaffene Goldpulver mittels feiner, mit einem Sieb versehener Röhrchen auf die feuchte Lackoberfläche gestreut werden. Diese Dekore mit eingestreuten Bildern (jap. maki-e) wurden zum wesentlichen Element japanischer Lackkunst. Für die Beurteilung der Lacktechnik ist es entscheidend, sich vor Augen zu halten, dass die goldfarbenen Bildmotive und Dekore nicht mit Pinseln gemalt, sondern in Streutechnik ausgeführt sind. Betrachtet man die Objekte genauer, erkennt man unterschiedlich glitzernde Pulver und Flocken aus Gold und Silber.

Während der Momoyama-Zeit (1573-1614) entstanden außerordentlich prächtige Werke und die japanische Lackkunst behauptete innerhalb der vielfältigen Lackkunst Ostasiens mehr und mehr eine führende Rolle. Man erkennt das künstlerische Wachstum auch in der Veränderung der Märkte. Neben der früher dominierenden Auftraggeberschicht des japanischen Kaiserhauses und des hohen Adels traten nun auch japanische Kaufleute und europäische Händler auf den Plan.

Die Ostindienfahrer

Nachdem portugiesische Seefahrer 1543 erstmals Japan erreicht hatten, begann eine neue Phase des Handels zwischen Europa und Japan. Erstmals gelangten Lackobjekte in größerer Zahl nach Europa. Die europäischen Händler bemühten sich bei ihren kostspieligen Bestellungen, Produkte zu erhalten, die in der Heimat gut verkäuflich waren. Das hatte die Folge, dass sie bei den japanischen Lackmeistern Objekte in Auftrag gaben, bei denen nur die Dekore auf die ostasiatische Welt verwiesen, deren Form und Funktion aber den europäischen Gepflogenheiten entsprach. Zu den nur für den Export bestimmten Artikeln gehörten auch die zweitürigen Kabinettschränke. Es ist ein Möbeltyp, den es in Japan vorher nicht gegeben hat.

Zur wichtigsten europäischen Handelsmacht in Japan während des 17. Jahrhunderts stiegen die Niederländer auf. Mit der Vereinigten Ostindien Kompanie (VOC) verfügten sie über eine leistungsfähige Handelsflotte. Nach der Vertreibung der Spanier und Portugiesen war im Zeitraum von 1641 bis 1853 der VOC als einziger Körperschaft der Direkthandel mit Japan erlaubt. Als Handelsstützpunkt wurde ihr die winzige und streng bewachte Insel Dejima im Hafen von Nagasaki zugewiesen. Die erhaltenen Transportbücher der Ostindienfahrer besagen, dass die größte Zahl von Sendungen zweitüriger Kabinette während der zweiten Hälfte der 1630er und der 1640er Jahre erfolgte.

Ort:
Staatliches Museum für Völkerkunde München
Maximilianstraße 42
D-80538 München
Telefon: +49 (0)89 - 210 136 - 100
Internet: www.voelkerkundemuseum-muenchen.de

Vom 22. Mai 2011 bis 21. August 2011 ist der größte Teil der Münchner Lackschränke im Museum für Lackkunst in Münster zu sehen.

Die Ausstellung dauert vom 26. Januar 2011 bis 8. Mai 2011. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 9.30 bis 17.30 Uhr (Montag geschlossen). Der Eintritt kostet 4,- Euro, ermäßigt 2,- Euro, für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre ist der Eintritt frei. Zur Ausstellung ist ein reich bebildertes Begleitbuch zum Preis von 20,- Euro erschienen.

Für Journalisten gibt es zudem Bildmaterial zum Thema.

Weiterer Kontakt:
Staatliche Münzsammlung München
Ansprechpartner: Dr. Martin Hirsch
Residenzstraße 1, D-80333 München
Telefon 089 - 22 72 21; Fax 089 - 29 98 59
E-Mail: presse@staatliche-muenzsammlung.de

Zahlen, Daten, Fakten
Die Staatliche Münzsammlung München geht auf Bestände der Schatzkammer Herzog Albrechts V. von Bayern
(1550 - 1579) zurück.
  
Sie ist eine der größten numismatischen Fachsammlungen der Welt.
  
Ihre Sammlung umfasst 300.000 Objekte.
  
Seit 1963 in der Residenz.
  
15 Mitarbeiter
  
Größte Fachbibliothek mit rund 26.000 Titeln.
  
Schwerpunkte der Sammlung sind Renaissance-Medaillen und der bayerische Geschichtstaler.
  
Soll die größte Geldscheinsammlung der Welt als Dauerleihgabe übernehmen.

 


Home    |    Kontakt    |    Impressum    |    Übersicht