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Die Geschichte der Staatlichen Münzsammlung München
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Von den Anfängen bis heute

Albrecht V. von Bayern
Herzog Albrecht V. von Bayern

Herzog Albrecht V. von Bayern (1550-1579) gründete eine Kunstkammer, deren Inventar zum Ende des Jahrhunderts bereits über 7.000 meist antike Münzen verzeichnete. Der kunstsinnige Herzog, der auch Orlando di Lasso nach München berief, stand mit vielen Sammlern seiner Zeit in Verbindung. Sein Sohn Herzog Wilhelm V. (1579-1597) führte das sammlerische Werk seines Vaters fort. Untergebracht war die Kunstkammer zu dieser Zeit in dem alten Marstallgebäude am Münchener Hofgraben, wo später das Königlich Bayerische Hauptmünzamt und jetzt das Landesamt für Denkmalpflege
angesiedelt war.

Der Dreißigjährige Krieg brachte starke Einbußen für die Sammlung: Die Schweden unter Gustav Adolf besetzten München im Jahr 1632 und Teile der mittlerweile kurfürstlichen Münzsammlung wurden zur Kriegsbeute. Mit den Schätzen von Gustav Adolfs Tochter Königin Christine gelangten Stücke der Münchner Sammlung nach Rom, bevor sie im frühen 19. Jahrhundert im Cabinet des Médailles der Pariser Bibliothèque Nationale aufgingen. Offenbar gelang es aber, besonders kostbare Stücke vor den Schweden in Sicherheit zu bringen, denn bestimmte antike Goldmünzen stammen wahrscheinlich noch aus der ursprünglichen herzoglichen Sammlung. Sie bildeten den Kern der im 17. und 18. Jahrhundert weiter ausgebauten kurbayerischen Sammlung. Über die genauen Bestände in dieser Zeit ist nur wenig bekannt. Eine Besonderheit sind die 1753 in einer Reichenhaller Kalkgrube entdeckten bayerischen Münzen des 12. Jahrhunderts.

Als Kurfürst Carl Theodor 1777 die wittelsbachische Pfalz und Bayern unter seiner Hand vereinigte, wanderte die bedeutende kurpfälzische Münzsammlung mit dem zuständigen Personal nach München. Die napoleonische Zeit veränderte Bayern grundlegend; fast alle geistlichen Herrschaften wurden säkularisiert. Im katholischen Süden des alten Reiches waren Klöster Orte der Wissenschaftspflege, mit eigenen naturwissenschaftlichen und historischen Sammlungen. In diesem Rahmen verfügten viele Klöster über eigene Münzsammlungen. Zum Einschmelzen wurden diese Bestände in die Münze geliefert, wodurch unwiederbringliche Schätze vernichtet wurden. Der Konservator des Münzkabinetts erhielt jedoch zuvor die Möglichkeit, die angelieferten Bestände durchzusehen, und konnte dabei wichtige Stücke oder ganze Partien retten. Tausende Münzen aus der römischen Antike kamen im Zuge der Säkularisation aus den Klöstern in die Münzsammlung. Zwei Klostersammlungen wurden durch Kauf erworben: die von St. Emmeran in Regensburg (Antiken, Gemmen und andere) und St. Peter in Salzburg (Salzburger Gepräge).

1807 wurde das "Kgl. Münzcabinet" aus der Hofverwaltung herausgelöst. Die Sammlung wurde der Akademie der Wissenschaften als "Attribut" unterstellt.

Ludwig I.
König Ludwig I. von Bayern.
Geschichtstaler von 1844.
Besonderes Interesse hatte der Kronprinz und spätere König Ludwig I. (1825-1848) an der Sammlung. Die Begeisterung für die griechische Antike führte Ludwig oft zum Studium in das Münzkabinett. Im Jahr 1808 suchte er acht Wochen täglich für eine Stunde die Sammlung auf. Der Kronprinz, unter dem München später zum "Isar-Athen" ausgebaut wurde, bewirkte zahlreiche wichtige Neuerwerbungen für die Münzsammlung. Der Initiative Ludwigs ist es zu verdanken, dass die kostbaren japanischen Lackschränke aus der Residenz überführt und zu Münzschränken umgearbeitet wurden.

Aus Ludwigs ausgeprägtem Interesse an Münzen und seinem freundschaftlichen Kontakt zum Konservator des Münzkabinetts, Ignaz v. Streber, entwickelte sich die geistesgeschichtlich interessante Reihe der bayerischen Geschichtstaler. Es gehört zur Kunstpolitik Ludwig I., dass regelmäßig kursfähige Denkmünzen auf bemerkenswerte Ereignisse oder verdiente Personen der Gegenwart herausgegeben wurden.

1811 kaufte man die Sammlung Cousinéry, die hauptsächlich Münzen aus dem griechischen Mutterland und dem östlichen Mittelmeerraum enthielt. Bemerkenswerte Konvolute wie die Sammlungen Astuto, Avellino und Longo erweiterten den Bestand an antiken Münzen. Die wichtigste Erwerbung in letzterer Sammlung war das Dekadrachmon von Akragas, das heute zu den Glanzstücken der Sammlung gehört.

Im 19. Jahrhundert baute man die Sammlungsbereiche Mittelalter und Neuzeit weiter aus. Erworben wurde eine beachtliche Anzahl von "vaterländischen" Sammlungen.

Im frühen 19. Jahrhundert wuchs das Bewusstsein für den kulturellen und historischen Wert archäologischer Funde. Die bayerische Verordnung von 1808 zum Schutze aufgefundener Münzen und anderer Altertümer bewirkte, dass allein im 19. Jahrhundert mehr als 330 Schatzfunde dem Münzkabinett gemeldet und vorgelegt wurden. Anfangs wählte man aus den Funden nur die noch fehlenden Stücke aus. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass auch die Zusammenstellung der Funde einen erheblichen Quellenwert darstellt. Heutzutage wird jeder Fund in der Staatlichen Münzsammlung wissenschaftlich dokumentiert. Die Verordnung von 1808 gilt für Bayern im Grundsatz noch heute: Von einem Fund gehört eine Hälfte dem Finder, die andere dem Grundstückseigentümer.

Im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts bekam die Sammlung einen weiteren Schwerpunkt durch Georg Habich, den profunden Kenner der Renaissance-Medaille. In seiner Amtszeit wurde der Bestand an Renaissance-Medaillen und -Plaketten erheblich vermehrt. Seine intensiven Kontakte zu Münchner Künstlern führten zu einer neuen Blüte zeitgenössischer Medaillenkunst.

Die Rechenpfennig-Sammlung Arthur Koenig kam 1961 in die Staatliche Münzsammlung. Sie ist eine der größten Sammlungen überhaupt, insbesondere im Hinblick auf die Stücke aus Nürnberg. Die Sammlung Paul Arndt brachte eine erhebliche Bereicherung auf dem Gebiet der antiken Steinschneidekunst.

Der Bombenkrieg des Zweiten Weltkriegs zerstörte 1944 das Domizil der Münzsammlung im alten Akademiegebäude in der Neuhauser Straße. Erfreulicherweise erlitt die numismatische Fachbibliothek der Sammlung keine Verluste, da sie ausgelagert war. Sie ist in den vergangenen Jahrzehnten weiter ausgebaut worden und ist heute die größte öffentliche Spezialbibliothek ihrer Art in Deutschland. Die heutigen, inzwischen viel zu klein gewordenen Ausstellungsräume in der Münchner Residenz wurden 1963 eröffnet.

 


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