Start     Museum    Sammlung    Ausstellung    Bibliothek    Publikationen    Numismatik   Presse

Münzen
Bayerische Münzen
Münzen der Welt
Papiergeld
Medaillen
Geschnittene Steine
Münzschränke
Dauerleihgaben
Highlights

Münzen
-->
Postumus
Postumus, 260-268 n. Chr., Aureus

Münzen sind handliche, meist runde Metallstücke, die als Geld dienen und deren Wert eine Autorität durch erkennbare Zeichen garantiert. Diese Autorität ist in der Regel ein Staat. Solange der Geldwert der Münzen hauptsächlich durch ihren Metallwert bestimmt war (bis in das 20. Jahrhundert hinein), spielten die jeweiligen Normen von Münzgewicht und Legierung eine entscheidende Rolle.

Die Anfänge in Kleinasien

Die frühesten Zeugnisse um 630 v. Chr. sind geprägte Klümpchen aus Elektron, einer natürlich vorkommenden Gold-Silber-Legierung. Sie stammen aus Lydien und den griechischen Städten an der Westküste Kleinasiens. Der letzte Lyderkönig Kroisos (oder bereits sein Vorgänger Alyattes) ließ die ersten Gold- und dazu Silbermünzen schlagen. Im Verlauf des 6. Jahrhunderts breitete sich die Münzprägung rund um die Ägäis, auf dem griechischen Festland und in den Kolonien der Magna Graecia (Süditalien, Sizilien) aus. Die Vielfalt der Darstellungen auf diesen Münzen ist Spiegel der politischen Verhältnisse der auf Autonomie bedachten Stadtstaaten. Die Kunst der Stempelschneider verfeinerte sich rasch. Von einfachen, wappenartigen Darstellungen der Frühzeit ging man rasch zu Bildern von hohem ästhetischem Reiz über. Die Münzen wurden nun von anerkannten Künstlern gefertigt, die den Vergleich zur Großplastik oder Vasenmalerei nicht zu scheuen brauchten.

Der Siegeszug Alexanders des Großen von Makedonien (336-323 v. Chr.) bewirkte auch für die folgenden Jahrhunderte eine stärkere Vereinheitlichung des Münzwesens. Auf den Geprägen der hellenistischen Reiche erscheint nun die Porträtgalerie von Dynastiegründern oder lebenden Herrschern. Sie ersetzen vielfach die Darstellungen von Göttern und Heroen der älteren Zeit.

In der Nachbarschaft der mediterranen Kultur, in den von den "Barbaren" besiedelten Gebieten vom Balkan bis zur iberischen Halbinsel, entstanden die von Kelten und Nachbarvölkern geprägten Münzen in mehr oder minder freier Nachahmung hellenistischer Münzbilder bis hin zu abstrakter und ornamentaler Umdeutung.

Im Osten übernahmen die Perser die Münzprägung von den Lydern. Die im Münzbild "orientalisierenden" Prägungen der Parther, der Sasaniden und der Reiche Zentralasiens haben ihren Ursprung in der Währung des Reiches Alexanders des Großen.

Die Anfänge des römischen Münzwesens

Die Anfänge des römischen Münzwesens lassen deutlich den Übergang vom tauschbaren Wertobjekt zum Münzgeld erkennen. Die gegossenen Stierbarren erinnern daran, dass sich das römische Wort für Geld pecunia von lat. pecus (Vieh) herleitet. Die gegossenen Schwergeldstücke im Pfundgewicht, ebenfalls aus Kupfer, wie auch ihre Teilwerte, sind kaum handlicher - akzeptabel nur in einer Agrargesellschaft mit geringem Geldbedarf. Mit der Ausdehnung des römischen Herrschaftsgebietes auf Süditalien mit seinen griechischen Kolonien wurde schrittweise die Silber-, dann auch die Goldprägung übernommen. Die Münzen der römischen Kaiserzeit bieten die offiziellen Portraits der Kaiser und von Mitgliedern ihrer Familien. Die Bilder der Rückseite illustrieren und verherrlichen die kaiserlichen Regierungsprogramme von den militärischen Siegen bis hin zur Religionspolitik. In diesem Rahmen ist auch das Silbermedaillon Constantins des Großen zu sehen, das erstmals eindeutig christliche Symbolik zeigt: das Christogramm unter dem Busch des kaiserlichen Prunkhelms.

Christliche Symbolik dominierte in der byzantinischen Münzprägung, die das römische Erbe fortführte. Das Münzwesen der nach der Völkerwanderungszeit entstandenen Germanenreiche stand unter dem starken Einfluss der byzantinischen Münzmotive.

Europäisches Münzwesen im Mittelalter

Das frühmittelalterliche Münzwesen lehnt sich an die römisch-byzantinische Tradition an. Das Hochmittelalter ist von der Pfennigwährung bestimmt. Wichtigste Münzsorte war der silberne Pfennig. Zählwerte waren Schilling und Pfund (= 240 Pfennige), eine Tradition, die in England bis 1970 fortbestand.

Zunächst brachten die karolingischen Münzreformen Vereinheitlichung und Geltung des Pfennigs im ganzen Reich. Mit dem Zerfall des Karlsreiches vollzog sich die Aufsplitterung nach Regionen. Sie wurde im ostfränkischen Reich noch dadurch gefördert, dass die ottonischen und salischen Kaiser nun das Münzrechts auch den Trägern der Reichskirche verliehen. Die Pfennige von unterschiedlichem Aussehen und Gewicht (Wert) galten meist nur in eng begrenzten Bezirken. Zur besonderen Blüte gelangte die Kunst des Stempelschnitts im 12. Jahrhundert in jenen Gebieten, wo die breiten einseitig aus dünnem Silberblech mit starkem Relief ausgeprägten Brakteaten, geprägt wurden.

Das spätmittelalterliche Geldwesen kam ohne höhere Münzwerte nicht mehr aus. Größere Silbermünzen wie Mehrfachstücke des Pfennigs und Goldmünzen von meist internationaler Geltung bestimmten nun den mehrstufigen Aufbau der Währungen. Verbreitet war der ab 1252 geprägte Florentiner Gulden, der vielfach nachgeahmt wurde. Auch der venezianische Zecchino oder Dukat hatte einen großen Umlaufbereich und lebte als Wertstufe im neuzeitlichen Münzwesen weiter. Unter den Silbermünzen spielte der ab 1266 geschlagene französische Turnosgroschen eine große Rolle. Auch von ihm gibt es viele Nachahmungen. Gleich große Bedeutung hatte der seit 1300 ausgebrachte Prager Groschen. Sein sächsischer Ableger ist der Meißner Groschen.

Das Bedürfnis nach größeren zusammenhängenden Wirtschafts- und Währungsgebieten führte zur Bildung von "Münzvereinen". Der bedeutendste von ihnen hat mit seiner Goldmünze, dem Rheinischen Gulden, die spätmittelalterliche Leitwährung Mitteleuropas geschaffen.

Europäisches Münzwesen in der Neuzeit

Der Übergang zur Neuzeit im Münzwesen ist bestimmt durch das Entstehen der Talermünze und ihre Einbürgerung in den Geldverkehr. Die sprunghaft ansteigende Silberproduktion im letzten Drittel des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab den Anreiz, größere Silbermünzen als bisher üblich auszubringen. In Venedig ließ der Doge Nicolò Trono 1472 erstmals das Pfund Pfennige, die Lira, als Münze schlagen. Sie fand bald Nachahmung. Wegen des im Münzbild dargestellten Herrscherkopfs nannte man dies Stücke "Testone". Die entsprechenden Gepräge in der Schweiz und Südwestdeutschland hießen "Dicken".

Erzherzog Sigismund von Tirol, den man den "Münzreichen" genannt hat, führte die Steigerung fort. Auf den "Pfundner" folgte der "Halbguldiner" und 1486 der "Guldiner", so genannt, weil er das Silberäquivalent zum Rheinischen Gulden war. Die zunächst kurzlebige Tiroler Guldinerprägung fand Nachfolge vor allem in der Schweiz. Den sächsischen Wettinern gelang es in der gut vorbereiteten Münzreform von 1500, ihren "Guldengroschen" als Zahlungsmittel an die Stelle des (Gold-) Guldens zu setzen. Als schließlich der reiche Bergsegen von der böhmischen Seite des Erzgebirges in Form von Joachimstaler Guldengroschen in den Geldumlauf strömte (ab 1520), setzte sich auch mit der Kurzform "Taler" die neue Bezeichnung dieser Münze durch.

Dem fürstlichen Selbstverständnis ihrer Zeit entsprechend tragen die Taler meist das Bild ihres Münzherren. Neben den Münzen entstanden seit jener Zeit, als das Sammeln in Mode kam, vielfach auch Sonderprägungen: Abschläge von normalen Stempeln im mehrfachen Gewicht der Münze oder auf quadratischen Platten, so genannte Klippen. Diese Stücke waren nicht als Geld gedacht, sondern dienten vornehmlich Geschenkzwecken. Beispiele dieser raren Stücke sind reichlich in der Sammlung vertreten, ebenso die zu bestimmten Anlässen besonders sorgfältig ausgebrachten "Denkmünzen", die zwar alle Voraussetzungen als Geldstücke erfüllen, aber aufgrund ihres hohen Werts kaum in den Umlauf gelangten.

 


Home    |     Kontakt    |    Impressum    |    Übersicht