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"Wir sind keine Humanistenklause, sondern ein modernes Museum, auf das noch viel Arbeit wartet"
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Interview mit Professor Bernhard Overbeck, dem ehemaligen Leitenden Sammlungsdirektor der Staatlichen Münzsammlung München

Professor Bernhard Overbeck
Prof. Bernhard Overbeck

Die Staatliche Münzsammlung in der Münchner Residenz zählt zu den bedeutensten in Europa. Rund 300.000 verschiedene Objekte wurden hier seit der Gründung um 1550 durch Herzog Albrecht V. von Bayern zusammen- getragen. Die Bibliothek umfasst über 20.000 Bände und gilt in der Fachwelt als einzigartig. Mit welchen Aufgaben die Münchner Numismatiker in Zukunft sich befassen werden, welchen Auftrag die Staatliche Münzsammlung hat und wo Forschungseinrichtung und Museum mittelfristig ihren Platz finden werden, beschreibt Professor Bernhard Overbeck, von 1991 bis 2006 Leiter des Hauses an der Residenzstraße. Seine Ausführungen spiegeln auch das Leitbild eines der renommiertesten Museen seiner Art in Bayern wieder.

Herr Professor Overbeck, wie sind Sie Numismatiker geworden?

Da war ich noch ein kleiner Junge und habe meinem Vater - er sammelte Münzen aus der Neuzeit - über die Schulter geguckt. Nur wie das eben so ist zwischen Vätern und Söhnen: Die Söhne müssen natürlich etwas anderes machen als die Väter. Und so sammelte ich eben Münzen der Antike.

Was sind die zentrale Aufgaben der Staatlichen Münzsammlung?

Eingang zur Staatlichen Münzsammlung
Frühneuzeitliches Schatzfundgefäß
Fund von Zuchering, Landkreis Ingolstadt
nach 1622
 

Unsere Arbeit hat drei Schwerpunkte: Zum einen sollen Ausstellungen organisiert werden, um die Forschungsarbeit unseres traditionsreichen Hauses vorzustellen - interessierten Bürgern genauso wie der Fachwelt. Dazu gehört auch die wissenschaftliche Bestimmung und historische Auswertung der in Bayern entdeckten Schatzfunde und Einzelfundmünzen. Hier wie überall ist Öffentlichkeitsarbeit sehr wichtig: Wir wollen in Zukunft mit dem Museum verstärkt an die an Geschichte im Allgemeinen Interessierten herantreten. Denn über jede Münze und Medaille erfährt der Besucher nicht nur etwas über die Entwicklungen im Zahlungsverkehr, sondern auch viel über die kulturellen und kunstgeschichtlichen Veränderungen jener Epochen. Für eine der größten europäischen Sammlungen ist es eine Verpflichtung, nicht nur die vorhandenen Bestände zu pflegen, sondern durch Ankäufe zu vervollständigen und zu ergänzen. Dazu kommt das wichtige Feld der Forschungsarbeit, speziell an den schon erwähnten Fundmünzen Bayerns von der Antike bis zur Neuzeit.

Wo steht die Staatliche Münzsammlung mittelfristig?

Die Münzsammlung wird sich in den kommenden Jahren verändern. Notwendig ist die Erweiterung der Gesamtschau des Münzwesens seit der Antike bis zur Neuzeit um den großen Bereich der neuzeitlichen Finanzgeschichte, wie er sich dokumentiert durch Papiergeld, Wertpapiere und Kreditkarten. Wir wollen ein modernes Museum sein und keine Humanistenklause, da wartet noch viel Arbeit.

Nach welchen Kriterien wird die Sammlung erweitert?

Das hängt von der jeweiligen Leitung in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern ab. Und natürlich von unseren finanziellen Möglichkeiten. Generell ist zu sagen, dass das große Gebiet des Papiergeldes durch Zusammenarbeit mit der HBV Stiftung Geldscheinsammlung, deren große Bestände Dauerleihgabe an unser Haus sind, sicher eine weitaus größere Rolle spielen wird, als bisher. Hier wird sich einiges tun. Doch darüber werden die Medaillenkunde und das Münzwesen von der Antike bis zur Neuzeit sicher nicht vernachlässigt werden.

An welche Zielgruppen wollen Sie sich denn wenden?

An alle, die sich für Münzen, Medaillen und die Geschichte des Geldes interessieren. Verstärkt natürlich an junge Menschen, in Kooperation mit den Schulen und Universitäten. Vielleicht gelingt uns das auch mit unserer Website.

Herr Professor, wie und wo kann man Numismatik studieren? Wie hoch ist das Interesse an diesem Studiengang?

Das ist ein trauriges Kapitel in Deutschland. In München gibt es keinen entsprechenden Lehrstuhl. Numismatik ist kein eigenes Fach mehr, sondern lediglich ein Bestandteil der historischen Wissenschaften. Das nächstgelegene gute Institut für alle Felder der Numismatik ist in Wien. Dort finden Sie auch sehr hoffnungsvolle Nachwuchs-Wissenschaftler. Übrigens: So kurios ist Numismatik nun auch wieder nicht, es gibt genug Studentinnen und Studenten, die sich dafür interessieren.

Wie glauben Sie, wird der Euro einmal in der Geld- und Kunstgeschichte einzuordnen sein?

So wichtig der Euro als europäische Einheitswährung ist, die künstlerische Bedeutung ist momentan bei vielen der Emissionen der einzelnen Mitgliedsstaaten wohl eher gering. Allerdings verdanken wir dem Euro eine vermehrte Sammelleidenschaft. Das betrifft den Euro selbst - es gibt ja mittlerweile genügend Sonderprägungen - wie auch die gute alte D-Mark. Letztere steht vor allem bei den älteren Bundesbürgern für wirtschaftlichen Aufstieg, Wohlstand, Sicherheit und Frieden, ist somit eine sehr emotionale Angelegenheit. Künstlerisch betrachtet erinnert die einheitliche Vorderseite der Euromünzen ehestens an mittelprächtige Gebrauchsgraphik. Die Nationalen Rückseiten sind teils monoton, teils vermitteln sie tatsächlich den Charakter eines Landes. Sehr gelungen sind zum Beispiel die nationalen, historisch orientierten Entwürfe Griechenlands. Hier begegnet etwa die Eule der antiken athenischen Tetradrachmen auf der Ein-Euro-Münze. Und dafür ist es doch gut, wenn man eine Münzsammlung unterhält.

 


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