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Geldgeschichte
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Münzlexikon
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Scheidemünze, Münze, deren Nennwert den Metallwert übersteigt. Alle heutigen Umlaufmünzen sind Scheidemünzen, früher wurden Scheidemünzen (meist Kleingeld) von den vollwertigen Kurantmünzen unterschieden. Der Wortsinn kommt von der Bestimmung der Münze, die kleinen Wertdifferenzen bei Zahlungen auszugleichen, was mit dem größeren Kurantgeld nicht möglich war. Beide Zahlungspartner sollten ohne Restschuld voneinander scheiden. Da die Staaten erst spät (Österreich 1760; Preußen 1821) garantierten, ihre eigenen Scheidemünzen selbst zum Nennwert in Zahlung zu nehmen, war die Wertgarantie für die Kleinmünzen ein unlösbares Problem der Münzprägung in der frühen Neuzeit.

Scherf, im Mittelalter Bezeichnung für den halben Pfennig; als der Heller ab dem 14. Jh. zum Halbpfennig wurde, drängte sein Name den Begriff Scherf zurück. Von Scherf kommt das Wort "Scherflein" für einen kleinen Beitrag zu etwas Größerem.

Schilling, von solidus, so auch die offizielle Bezeichnung späterer Schillinge. Das karolingische Pfund wurde in 20 Schillinge zu je 12 Pfennigen eingeteilt, wobei der Schilling nur eine Gewichtseinheit war. Erst als die Wirtschaft im 13./14. Jh. größere Münzen benötigte, kam es zur Prägung von 12-Pfennig-Stücken, Groschen. Die französischen Groschenmünzen wurden die Vorbilder der deutschen Schillinge und Groschen. Es gab in Nord- wie in Süddeutschland eine Vielzahl verschiedener Schilling genannter Münzen, deren Wert im Lauf der Zeit immer weiter zurückging. Formen außerhalb Deutschlands sind der Skilling in Skandinavien und der englische Shilling im Wert von 12 Pence vor Einführung der Dezimalwährung. Österreich nannte seine 1924 eingeführte neue Währung Schilling (bis 1938; 1944-2001).

Schraubmedaillen, auch Schraubtaler, Schraubmünzen: ab dem 16. Jh. entstandene, besonders im mittleren 18. Jh. weit verbreitete Erzeugnisse des Kunsthandwerks. Zu ihrer Herstellung wurden Medaillen, Taler oder andere größere Kurantmünzen horizontal zersägt, der Kern herausgefeilt und die Innenkante mit einer Verschraubung versehen. Anschließend legte oder klebte man in das Innere kleine Bilder, Kupferstiche, Lithographien, Ölminiaturen, Glimmerbildchen oder auch weitere (Miniatur-)Medaillen oder Jetons ein. Oft wurden die Einlagenbilder mit Aufschriften versehen und auf Seidenbänder aufgeklebt, so dass längere Bilderserien entstanden. Die Darstellungen griffen soziale, religiöse oder politische Themen auf; am bekanntesten sind die Bilder auf das 200jährige Jubiläum der Augsburger Konfession 1730 und auf die Vertreibung der Protestanten aus dem Land Salzburg in den Jahren 1731-1733. Andere Inhalte bezogen sich auf persönliche Ereignisse wie Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Reisen, etc. Kostüm- und Trachtenbilder dokumentierten die Mode der Zeit. Die Schraubmedaillen nahmen in gewisser Weise jene Funktionen wahr, die heute moderne Medien ausüben: Sie dienten als Familienchronik im Miniaturformat, als Modejournale, Reiseführer, religiöse Erbauungsbücher und politische Pamphlete. Zentrum ihrer Herstellung war Augsburg, aber auch aus Nürnberg, Salzburg, Wien sowie aus Frankreich, England und den USA sind zahlreiche Exemplare bekannt.

Schrot und Korn; Begriffspaar für das Rauhgewicht (Bruttogewicht) und das Feingewicht (Gewicht des in der Münze enthaltenen Edelmetallanteils) einer Münze; beide Angaben waren für den Wert der Münze von entscheidender Bedeutung, so lange dieser vom Metallwert der Münze abhing (Kurantmünze).

Solidus, römische Goldmünze, von lat. "gediegen, wahrhaft, wesentlich", bei Metallen "dick, dicht, stark". Der Solidus ist im Jahr 309 von Konstantin dem Großen in Trier eingeführt worden. Ab 314 wurde er in der constantinischen Reichshälfte, seit 324 im ganzen Imperium Romanum geprägt. Der antike Solidus entspricht 1/72 des römischen Pfundes, d.h. 4,55 Gramm (Sollgewicht). Nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reichs lebte der Solidus sowohl in Ostrom wie unter den Merowingern weiter fort. Mittelalterliche Urkunden zählen ihn als Rechnungsmünze zu 12 Denaren (Pfennigen). Als geprägtes Geldstück wurde der Solidus in Deutschland nach der von Karl d. Großen eingeführten Münzordnung Schilling oder Groschen genannt. Etymologisch gehen Worte wie Sold und Soldat auf Solidus zurück.

Soldo, von Solidus, der italienische Schilling, erstmals Ende des 12. Jhs. in Mailand als Silbermünze von ca. 1,25 g geprägt. Er verbreitete sich in ganz Italien, verlor aber allmählich an Wert, so dass er erst in Billon, dann ab dem 18. Jh. in Kupfer geprägt wurde. Unter Napoleon erhielt der Soldo den Wert von 1/20 Lira, noch im 20. Jh. hieß das italienische 5-Centesimi-Stück Soldo. Dem Soldo entspricht der französische Sou.

Steckmedaillen, von den Schraubmedaillen abgeleitete Behältnisse, in die Bilder oder Bilderfolgen eingelegt wurden. Um die aufwendige und kostspielige Umarbeitung von Münzen oder Medaillen, insbesondere ihre Aushöhlung und das Einsetzen eines Schraubgewindes, zu vermeiden, ging man im frühen 19. Jh. zunehmend zur Herstellung von Steckmedaillen über, deren beide Hälften eigens als Hohlprägung ausgeführt wurden und, da eine davon einen etwas größeren Durchmesser aufwies, unschwer zusammengesteckt werden konnten. Mit der Vereinfachung der Fertigung gingen nicht selten Kommerzialisierung und Trivialisierung dieser Medaillendosen und ihrer Inhalte einher. Billige Souvenir-Medaillen aus geprägter Pappe mit dem Bildnis des Landesfürsten, dem Wappen sowie inliegenden Stadtansichten kamen zwischen 1870 und 1900 massenhaft auf den Markt. Die Form der Steckmedaille griff 1916 der sogenannte "Bayernthaler" in Silber bzw. Bronze auf, der auf den Außenseiten das Porträt des bayerischen Königs Ludwig III. (1912-1918) sowie den bayerischen Wappenschild zeigte und im Inneren insgesamt 30 Einlagebilder mit Darstellungen von Persönlichkeiten und Ereignissen des Ersten Weltkrieges enthielt.

Steingeld, bis über drei Meter große, runde steinerne Scheiben mit Loch ("Rai" oder "Fä"), die auf den Yap-Inseln (Mikronesien; Pazifik) als Geld verwendet wurden und noch in größerer Zahl dort vorhanden sind. Die Steine wurden über eine Entfernung von 400 km von den Palau-Inseln auf das flache und steinarme Yap gebracht. Der Wert hing nicht nur von der Größe und der Bearbeitung, sondern auch von der Geschichte des jeweiligen Steins ab. Das Steingeld ist noch heute von Bedeutung für das Sozialprestige seines Eigentümers; es wird immer noch bei Grundstückskäufen und bestimmten Sühnezahlungen verwendet.

Stoffgeld, 1. aus Baumwolle, Wolle oder Seide bestehendes vormünzliches Zahlungsmittel; 2. im 20. Jh. aus Textilien hergestelltes Notgeld. Am bekanntesten ist das Bielefelder Stoffgeld, 1921 zum 700jährigen Jubiläum der Leinenstadt ausgegeben, in den folgenden Inflationsjahren als Geldersatz dienend. Scheine aus Seide, Leinen oder Samt wurden mit Wertangabe, Bildern und kleinen Texten mit Anspielungen auf Ereignisse der Stadt- und Zeitgeschichte bedruckt und teilweise mit Stickereien verziert.

Stüber, Billon-Kleinmünze aus dem nordwestdeutschen Raum (Nordrhein-Westfalen, Ostfriesland), erstmals in Ostfriesland 1561 geprägt, Nachahmung des niederländischen Stuyver (Stuiver). Er galt 1/20 Goldgulden, 1/6 Schilling oder 8 Pfennig. Die Stüber breiteten sich ab Anfang des 17. Jhs. am Niederrhein aus und wurden im Dreißigjährigen Krieg stark verschlechtert. Preußen prägte für Kleve Stüber von 1751 bis 1764, Bayern-Pfalz für Jülich-Berg halbe und 3 Stüber bis 1805.

Taler, als Entsprechung des Goldguldens führte Erzherzog Sigismund von Tirol neue große Silbermünzen ein, 1484 den halben, 1486 den ganzen Gulden. Diese zunächst Guldiner genannten großen Silbermünzen wogen 31,2-32 Gramm Rauh- und 29,8 Gramm Feingewicht (Schrot und Korn). Diese Münze entsprach dem stark gestiegenen Bedarf an Zahlungsmitteln, der nicht mehr mit Gold, sondern in erster Linie mit Silber befriedigt werden konnte. Diese Münze breitete sich sehr rasch aus (1488: Lothringen; 1493: Bern; 1497: Savoyen; 1498: Sitten; 1500: Sachsen; 1501: Solothurn; 1502: Hessen; 1504: Salzburg; 1505: Pfalz-Neuburg; 1506: Ungarn, etc.). Zu Anfang des 16. Jhs. wurde der sächsische silberne Gulden, genannt Guldengroschen, dank der reichen sächsischen Silberbergwerke (Erzgebirge) besonders häufig geprägt. In ihrer neugegründeten Bergbaustadt Joachimsthal in Böhmen ließen die Grafen Schlick von 1520 bis 1527 über 2 Millionen Guldengroschen prägen. Man nannte sie "Joachimsthaler Große Groschen", Joachimsthaler und dann nur noch T(h)aler. Der Name ging im 16. Jh. auf alle deutschen Münzen dieser Wertstufe über, wobei es zahlreiche Typ- und Währungsunterschiede gab. Außerhalb Deutschlands wurde der Name Taler vielfach für die entsprechende Großsilbermünze übernommen (Dollar im Englischen, Daalder in den Niederlanden, Dalder in Skandinavien, Tallero in Italien, Talar in Polen); in anderen Ländern entwickelten sich neue Bezeichnungen, z. B. Écu in Frankreich, Scudo in Italien, Crown in England, Peso in Spanien. Zur weiteren Entwicklung in Deutschland siehe auch Reichstaler; Konventionswährung; Maria-Theresien-Taler; Kronentaler; Vereinstaler.

Vereinstaler, im Wiener Münzvertrag von 1857 einigten sich die meisten deutschen Staaten einschließlich Österreichs, den preußischen Taler (Reichstaler) als gemeinsame Münze für alle Vertragsstaaten einzuführen. Grundlage für den neuen "Vereinstaler" wurde das sog. "Zollpfund" von 500 Gramm, wobei 30 Taler aus einem Pfund Feinsilber geprägt werden sollten. Die Abweichung zum bisherigen preußischen Taler betrug dabei ganze 0,223 Prozent. Der sog. "Vereinstaler" sollte von allen Staaten in bestimmten Kontingenten geprägt werden. In Süddeutschland entsprach er 105 Kreuzern der Guldenwährung. Die neue Reichswährung von 1871 Mark entsprach 1/3 des Vereinstalers. Als einzige der Münzen der Zeit vor der Reichswährung blieben die alten Vereinstaler bis 1907 in Umlauf. An ihrer Stelle wurden 1908 silberne 3-Mark-Stücke eingeführt, die von der Bevölkerung wieder "Taler" genannt wurden.

Vreneli, volkstümliche Bezeichnung des goldenen Schweizer 20-Franken-Stücks nach dem Entwurf von Fritz Landry mit der als Veronika (Vreneli) bezeichneten Büste der Françoise Kramer, wie es von 1897 bis 1949 geprägt wurde.

 


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