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Geldgeschichte
Münzlexikon
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Münzlexikon
Eingang zur Staatlichen Münzsammlung
Titelblatt: Johann David Köhler, Münz-Belustigung
Erster Teil, 1729
 

Obol, kleine Silbermünze, griech. Obolos, von obelos "Spieß, Bratspieß". Sechs Oboloi waren eine Drachme. Die Athener Obolen zeigen wie die bekannten Tetradrachmen auf der Vorderseite den Kopf der Göttin Athena mit Helm und auf der Rückseite zum Ethnikon eine nach rechts stehende Eule. In klassischer Zeit wurde den Athener Bürgern ab 403 v. Chr. für ihren Besuch der Volksversammlung ein Obol, für die Teilnahme am Geschworenengericht eine Aufwandsentschädigung in Höhe von zwei Obolen ausgezahlt. Vor allem die Komödien des Aristophanes (sein erstes Stück wurde 427 v. Chr. aufgeführt) überliefern uns verschiedene Warenpreise. So erfahren wir, dass der Preis für eine Taube drei, für einen Tintenfisch zwei und für ein kleines Gerstenbrot ein Obol betrug. Durch Aristophanes wissen wir auch, dass das athenische Kleinsilber in der Backe (nicht im Geldbeutel) zum Einkaufen auf den Markt getragen wurde.

Papiermark, Bezeichnung für die nicht mehr durch Gold gedeckte Mark der Zeit des Ersten Weltkriegs und der frühen Weimarer Republik (1914-1923). Zum Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Reichsbank von der Verpflichtung befreit, die Banknoten in Goldmünzen einzulösen. Die Erhöhung der Geldmenge zur Finanzierung der Kriegskosten führte zu einer fortschreitenden Geldentwertung, die ihren Höhepunkt in der Hochinflation von 1923 fand. Der Begriff Papiermark unterscheidet das wertlose Geld der Inflation von der früheren Goldmark sowie der Rentenmark und der Reichsmark, mit denen die Inflation überwunden wurde. Am Ende der Inflation entsprach 1 Billion Papiermark einer Rentenmark. Bis zur Einführung der Reichsmark im August 1924 gab die Reichbank noch weiterhin auf Billionen lautende Noten mit allerdings nun stabilem Wert (1 Billion Mark = 1 Rentenmark) aus.

Pfennig, bis 1871 häufig auch Pfennig; Herkunft des Wortes ungeklärt, gemeinsame Wurzel mit Pfand: Deutsche Bezeichnung für den Denarius argenteus, die Silbermünze des Frankenreichs. Nach der Münzordnung Karls d. Gr. waren 12 Pfennige = 1 Solidus (Schilling) und 240 Pfennige = 1 Pfund. Vom 8. bis zum mittleren 13. Jh., in der sog. Pfennigzeit, war der Pfennig in Europa die dominierende Silbermünze. Nach dem Aufkommen des Groschens wurde er allmählich zur Scheidemünze. Münzverschlechterungen führten zu Prägungen in schlechtem Silber und schließlich in Kupfer (erstmals in westfälischen Städten im 16. Jh.). Der Pfennig wurde in weiten Teilen Deutschlands in verschiedenen Währungssystemen eine der kleinsten Münzeinheiten. Nach der Einführung der > Markwährung 1871-1875 wurde der Pfennig zum Hundertstel der Mark (bis 2001). In Großbritannien wurde bis 1971 nach dem karolingischen System gerechnet; 1971 wurde die Dezimalwährung mit 1 Pfund = 100 Pence (Einzahl: Penny) eingeführt.

Pistole, von spanisch pistola, Metallplättchen, ursprünglich Bezeichnung des unter Philipp II. von Spanien (1556-1598) ausgegebenen doppelten spanischen Escudo (Goldmünze). Als Frankreich ab 1641 unter Ludwig XIII. (1610-1643) den Louis d'or nach dem Vorbild des Doppelescudo prägte, wurde die Pistole zur Weltmünze, die in vielen Ländern Nachahmung fand. In deutschen Staaten des 18. Jhs. stellte die Pistole das 5-Taler-Stück in Gold dar, mit Unterschieden in Feingehalt und Wert. Der offizielle Name der deutschen Pistolen richtete sich nach dem jeweiligen Münzherrn mit dem Zusatz "d'or" (August d'or, Friedrich d'or, Max d'or etc.). 1873 wurden die Pistolen im Deutschen Reich außer Kurs gesetzt.

Plakette, von französisch plaquette, dünne Platte: In der Numismatik sind damit zumeist recht- oder auch mehreckige einseitige Metallreliefs gemeint, die eigenständige Kleinkunstwerke sind und nicht immer leicht von der Medaille abgegrenzt werden können. Höhepunkte erreichte die Plakettenkunst in der deutschen und italienischen Renaissance und vom Jugendstil bis zur Gegenwart.

Platinmünzen, in Russland von 1828 bis 1845 geprägte Umlaufmünzen aus gesintertem Platin; im 19. Jh. vereinzelt (Brasilien, Frankreich), in der 2. Hälfte des 20. Jhs. häufiger (Königreich Tonga, Insel Man, auch UdSSR, USA, Australien, Kanada, China u.a.) ausgegebene Umlauf- oder Gedenkmünzen für Sammler und Anleger.

Plattenmünze, schwedisch: Plåtmynt, in Schweden von 1644 bis 1768 hergestellte, große, viereckige, gestempelte Kupferplatten als Münzersatz. Ihr Metallwert entsprach zunächst dem Gegenwert in Silbergeld. Damit wollte Schweden als der wichtigste Kupferexporteur im 17. Jh. den Kupferpreis stabil halten. Das Gewicht der Platten wurde im Lauf der Zeit achtmal reduziert. Es entwickelten sich zwei parallele Währungen, der Wert eines Talers in Kupfer entsprach schließlich nur noch einem drittel Silbertaler. Das größte Stück, die früheste Platte im Wert von zehn Talern, maß ca. 33 mal 68 Zentimeter und wog 19,75 Kilogramm.

Prämonetär, vormünzlich, zusammengesetzt aus lateinisch moneta, Münze, und der Vorsilbe prae, vor. Bezeichnet die Art der Zahlungsmittel vor Einführung der Münzen: Tausch Ware gegen Ware, Rinder, Schweine, Gefäße, Geräte, Werkzeuge, Schmuck, Muscheln, Rohmetall, Metallbarren und anderes als Zahlungsmittel. > Hacksilber; Kauri, Steingeld.

Probemünzen, Vorabprägungen, oft einseitig, in Aluminium oder Blei ausgeführt, zur Prüfung der Funktionsfähigkeit der Prägemaschine und Prägewerkzeuge (Funktionsprobe) sowie der Überprüfung der Münzstempel und Münzbilder (Motivprobe), von den dann tatsächlich ausgegebenen Geprägen erheblich oder in Einzelheiten abweichend. Daneben existieren speziell für Sammler angefertigte und als solche gekennzeichnete Proben.

Rechenpfennig, die Verwendung von Rechenbrettern mit Linien, auf denen beim Rechenvorgang Steine oder andere Teile verschoben wurden, wurde durch die Kreuzzüge im 13./14. Jh. nach Europa gebracht. Aus den anfangs in Italien dafür verwendeten dünnen, mit Zeichen und Mustern versehenen Metallscheiben (zumeist Kupfer) entwickelten sich in Deutschland und Frankreich wie Münzen beidseitig beprägte Rechenpfennige (französisch jetons, von jetter, werfen, nämlich auf das Rechenbrett). Sie wurden als Nebenprodukt in regulären Münzstätten und vor allem von besonderen Rechenpfennigschlagern hergestellt; das wichtigste Zentrum der Herstellung war Nürnberg. Man verwendete Rechenpfennige auch als Spielgeld und als billige Kleinmedaillen für das Volk, daher weisen sie eine große Vielfalt an Motiven auf (in Deutschland mehr als 6000). Auch nach dem Verschwinden der ihnen zugrunde liegenden Rechenmethode nach ca. 1700 wurden daher weiter derartige Rechenpfennige bzw. Jetons geprägt.

Regenbogenschüsselchen, keltische Goldmünzen im Gewicht eines Staters. Die Vorderseiten dieser Stücke sind stark konvex, die Rückseiten entsprechend konkav, also schüsselförmig ausgeprägt. 1751 wurde im bayerischen Gaggers, Gemeinde Odelzhausen (Landkreis Dachau), ein Hortfund von 1300 bis 1400 Regenbogenschüsselchen süddeutscher und böhmischer Herkunft gehoben. Ihre vorbildliche Publikation durch Franz Streber legte den Grundstein zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit den Münzen der Kelten. Er führte erstmals den Nachweis, das die Regenbogenschüsselchen keltischer Provenienz sind. Diese Münzen haben in der Phantasie des Volksglaubens immer eine Rolle gespielt. Der Umstand, dass sie speziell nach Regengüssen auf den Äckern freigewaschen wurden, führte zu der Vorstellung, dass sie an der Stelle entstanden oder zu finden seien, wo der Regenbogen die Erde berührt.

Reichsmark, die Reichsmark wurde mit dem Münzgesetz vom 30. August 1924 eingeführt; sie entsprach einer Rentenmark und löste die bis dahin von der Reichsbank ausgegebene sogenannten Papiermark der Inflation ab. Neben der Reichsmark lief weiterhin die Rentenmark um. Die Reichsmark verlor durch verschiedene Maßnahmen der Regierungen ab 1931 und der Nationalsozialisten immer mehr an Konvertierbarkeit und wurde zu einer reinen Binnenwährung, für die bis 1945 die Fiktion von unverändert stabilen Kursen aufrecht erhalten wurde. Tatsächlich führte die Aufblähung der Geldmenge zur Finanzierung der Kriegskosten bei gleichzeitig sinkender Wirtschaftsleistung zum Verfall der Reichsmark, der mit den hohen Schwarzmarktpreisen der Nachkriegszeit augenfällig wurde. Durch die Währungsreformen von 1948 wurde die Reichsmark von den in den West- wie in der Ostzone Deutsche Mark genannten neuen Währungen abgelöst.

Reichstaler, erstmals die Bezeichnung für den im Augsburger Reichsmünzabschied von 1566 festgelegten Taler im Wert von 24 Groschen oder 72 (anfangs noch 68; ab 1580 schon 90) Kreuzern. Auch als der Wert des Talers gegenüber den Kleinmünzen stieg, blieb für diese Wertstufen die Bezeichnung "Taler" erhalten. Als nach 1623 der Wert des Talers auf 24 Groschen oder 90 Kreuzer festgelegt wurde, bürgerte sich der Wertbegriff "Reichstaler" für das eineinhalbfache des jeweiligen Rechnungsguldens zu 60 Kreuzern oder 16 Guten Groschen ein. Dabei handelte es sich um eine Recheneinheit, bis Preußen nach der sog. Graumannschen (Münz)reform von 1750 (nach dem preußischen Direktor des Münzwesens, Graumann) die Münze im Wert von 24 Groschen als "Reichstaler" prägen ließ. Dieser setzte sich nach 1857 im Vereinstaler fort. "Reichstaler" hieß auch in der süddeutschen Konventionswährung und in Sachsen der Rechnungstaler zu 90 Kreuzern bzw. 24 Groschen; zahlreiche Münzstände gaben im 17. und 18. Jh. Teilstücke dieses Reichstalers (1/6, 1/12 und 1/24) aus.

Rentenmark, zur Überwindung der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg (siehe auch Papiermark) wurde die Deutsche Rentenbank als neue Notenbank neben der die Papiermark ausgebenden Reichsbank gegründet. Die neue Währung sollte zur Erhaltung der Stabilität durch Sachwerte gedeckt sein; der gesamte land- und forstwirtschaftliche Grund sowie die Betriebsvermögen von Handel, Banken und Industrie wurden zum Aufbringen des Kapitals für die Rentenbank belastet. Die Papiermark wurde durch nochmalige Steigerung der Geldmenge zunächst im Kurs gedrückt und dann beim Kurs 4,2 Billionen Mark = 1 Dollar stabilisiert. Die Rentenmark wurde zum Kurs von 1 Billion Mark = 1 Rentenmark eingeführt, diese entsprach damit im Verhältnis zum Dollar der Mark der Vorkriegszeit. Die neuen Rentenbankscheine zwischen 1 und 1000 Rentenmark und die vom Reich ausgegebenen Rentenpfennigmünzen liefen neben den Markscheinen der Reichsbank (Papiermark bis 1924, dann Reichsmark) und den Pfennigmünzen der Reichsmark um. Auch nach der Einführung der Reichsmark blieb die Rentenbank bestehen, der Anteil ihrer Scheine am Geldverkehr nahm aber immer mehr ab. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden noch einmal auf Rentenmark lautende Scheine zu 1 und 2 Mark als Ersatz für die wegen des kriegswichtigen Metalls eingezogenen Münzen ausgegeben, wohl deswegen, um die Bilanz der Reichsbank nicht mit diesem Münzersatz zu belasten.

 


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