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Geldgeschichte
Münzlexikon
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Münzlexikon
Eingang zur Staatlichen Münzsammlung
Einband Münzverzeichnis, 18. Jahrhundert

 

Hacksilber, zerkleinerter Silberschmuck, Barren, Silberdraht, Münzen, wurde für die Zahlung abgewogen. Hacksilber gab es als Vorläufer der Münzen im Altertum, im frühen Mittelalter besonders im Ostseeraum und in Osteuropa als Großgeldersatz. Auf der schwedischen Insel Gotland wurden Hacksilberschätze im Gewicht von bis zu 10 kg gefunden. In Ostasien wurde Hacksilber noch bis ins frühe 20. Jh. verwendet.

Heller, im 12. Jh. unter Friedrich Barbarossa erstmals geprägter leichter Pfennig der Münzstätte Hall in Schwaben, daher der Name. Die "Heller" mit Kreuz und der Innenfläche einer Hand verbreiteten sich in Südwestdeutschland und weiter in großen Teilen Deutschlands, wo sie andere schwerere Pfennige verdrängten. Viele Münzstätten begannen mit der Prägung von Hellern, zunächst mit den Typen von Hall, dann mit eigenen Münzbildern. Im 14. Jh. wurden die Heller immer schlechter, so dass sie schließlich nur noch einen halben Pfennig wert waren. Als kleinste Scheidemünze wurden die Heller bereits im 16. Jh. in Kupfer geprägt (vgl. die Redensart "keinen roten Heller wert"). Noch im 19. Jh. wurde in Süddeutschland der kupferne Heller als Münze im Wert eines halben Pfennigs geprägt, in Frankfurt und Kurhessen als Ein-Viertel-Pfennig. Das Hundertstel der österreichischen Kronenwährung von 1892 wurde ebenfalls Heller genannt (in Österreich bis 1924, in Tschechien und der Slowakei bis heute).

Judenkopfgroschen, volkstümliche Bezeichnung für von Kurfürst Friedrich II. von Meißen (1428-1464) und Landgraf Wilhelm III. von Thüringen (1440-1482) eingeführte Groschen, deren Rückseite die Helmzier der Markgrafen von Meißen, einen bärtigen Kopf mit spitzem Hut, zeigte, vergleichbar der Kopfbedeckung, die zu jener Zeit Juden zur Unterscheidung von Christen zu tragen hatten.

Judenmedaillen, flache, große (bis 66 Milimeter Durchmesser), geprägte oder gegossene und überarbeitete Medaillen aus Gold oder Silber mit Darstellungen fürstlicher oder heiliger Personen des Mittelalters, die jedoch erst in der ersten Hälfte des 17. Jhs. hergestellt und fälschlich einem jüdischen Goldschmied in Prag zugeschrieben wurden.

Judenpfennige, kupferne Pfennige, die in den 1820er Jahren im Rheinland und in Hessen aus Mangel an kleinen > Scheidemünzen in Umlauf gebracht wurden, vermutlich industriell gefertigt (in Birmingham?), über die Niederlande eingeschmuggelt und von Geldwechslern und Händlern verteilt wurden; den darunter zu findenden Juden wurde von der Bevölkerung auch die Herstellung und Einschleusung dieser Pfennige zugeschrieben. Die Gepräge zeigen neun verschiedene Jahreszahlen zwischen 1703 und 1822, erfundene Wappenbilder und Phantasiebezeichnungen wie "Atribuo", "Halbac", "Ropell" oder "Theler". Die Zirkulation dieser massenhaft umlaufenden Stücke wurde durch Beschlagnahme eingedämmt.

Käsch, englisch cash, aus dem Malaiischen kommende Bezeichnung für die gegossenen kupfernen Lochmünzen aus China (auf chinesisch Chien oder Li), wie sie vom 3. Jh. v. Chr. bis ins 20. Jh. umliefen. Zu größeren Summen wurden die Käsch-Münzen auf Schnüre aufgezogen. Ähnliche Münzen von Japan, Korea und Vietnam werden von Sammlern ebenfalls Käsch genannt.

Kauri, Oberbegriff für verschiedene Porzellanschnecken der tropischen und subtropischen Meere. Ihre Gehäuse wurden in vielen Teilen der Welt als Schmuck und vormünzliche Zahlungsmittel verwendet (Prämonetär). In China wurden sie schon vor 3000 Jahren als Geld benutzt. Kauri als Geld gab es in Afrika, Thailand, Teilen Indiens und in Neuguinea. In Afrika schwankte der Wert der Kauri sehr stark; allgemein stieg er mit der Entfernung zur Küste.

Kipper und Wipper, Bezeichnung für die Münzbetrüger in der Anfangszeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1622). Die hohen Kriegskosten veranlassten viele Fürsten, das Geld immer schlechter prägen zu lassen. Mittels einer Waage (Wippe) wurden die guten (vollgewichtigen) Münzen aussortiert und eingeschmolzen (gekippt), die schlechteren wurden wieder in den Geldverkehr gebracht. Aus den eingeschmolzenen Münzen wurden immer schlechtere Stücke geprägt, die schließlich nur noch aus Kupfer bestanden und keinen Metallwert mehr hatten. Aufkäufer zogen durchs Land und kauften gezielt die guten alten Münzen auf. Nicht nur der Kaiser selbst und sonstige münzberechtigte Fürsten und Städte betrieben eine große Zahl solcher sog. Kippermünzstätten und zogen damit aus der Münzverschlechterung guten Gewinn, auch nicht-münzberechtigte Stände beteiligten sich an diesen Umtrieben. Oft wurden Münzen anderer Gebiete nachgeahmt, um sie gezielt dort in Umlauf zu setzen. Die Illusion vieler, nun reich zu sein und viel Geld zu haben, verflog angesichts der zunehmenden Preissteigerungen rasch. Das Endergebnis der Geldschwemme war eine vollständige Zerrüttung von Wirtschaft und Handel. Für dieses Geld wollte niemand mehr arbeiten oder Dinge verkaufen. Das Volk geriet in Aufruhr. 1622 setzte sich die Erkenntnis durch, dass es so nicht weitergehen könne. Es wurde wieder gutes Geld geprägt, die Kippermünzen wurden bekämpft und aus dem Verkehr gezogen.

Klippe, von schwedisch klippa, mit der Schere schneiden, Münze, die nicht die übliche runde, sondern eine quadratische, auch drei-, sechs- oder achteckige Gestalt aufweist. Im 16./17. Jh. wurden vor allem in eingeschlossenen Städten und Festungen Belagerungs- und Notmünzen behelfsmäßig als Klippen geprägt, da die eckigen Schrötlinge vom Zain (Münzmetallstreifen) einfach abgeschnitten werden konnten. Oft zeigen diese Metallstücke nur einen oder mehrere kleine, in die Mitte oder in die Ecken einer Seite eingeschlagene Stempel. In späterer Zeit fand die Klippenform auch für Münzproben, Geschenk- und Prämienstücke Verwendung.

Konventionswährung, Österreich hatte 1750 einen 20-Gulden-Fuß (20 Gulden Feinsilber wiegen eine Kölner Mark) für hohe wie kleinere Werte eingeführt. Um dieses System gegen schlechte fremde Münzen zu sichern, schloss Österreich 1753 mit Bayern eine Konvention. Bayern sollte dieses Münzsystem übernehmen, beide Vertragspartner sollten ihre Münzen nach einheitlichen Kriterien prägen. Schon 1754 musste Bayern aus der Konvention wieder ausscheren und seinen Rechnungsgulden (Gulden) um 20 Prozent abwerten, so dass nun 24 bayerische Gulden auf die Kölner Mark gingen. Auf Bitten Österreichs behielt Bayern jedoch die Prägung der vereinbarten Münzen bei, so dass in Bayern etwa das 20-Kreuzer-Stück tatsächlich 24 Kreuzer wert war. Die meisten süddeutschen Staaten und auch Polen schlossen sich der Konventionswährung an, und zwar nach der in Bayern verwendeten Rechnung. Hauptmünzen der Konventionswährung waren der Taler im Wert von zwei Gulden (Bayern/Süddeutschland: zwei Gulden 24 Kreuzer) und das 20-Kreuzer-Stück (24 Kreuzer). Die Konventionsmünzen wurden ab dem späten 18. Jh. durch die schlechteren Kronentaler verdrängt, ohne dass sich an den Rechnungsmünzen etwas änderte. Der verbreitetste Konventionstaler war der sog. Maria-Theresien-Taler. Die letzten Konventionstaler in Bayern waren Geschichtstaler Ludwigs I. von 1837.

Kornjudenmedaillen, satirische antisemitische Medaillen, die in Darstellung und Legende Juden für Hungersnöte und hohe Lebensmittel- und Getreidepreise verantwortlich machten. Aus den von Missernten geprägten Notjahren 1694 und 1772/73 existieren Medaillen, deren Vorderseite einen Juden mit von einem Teufelchen aufgeschlitztem Getreidesack, aus dem Körner entrinnen, und deren Rückseite ein Scheffelmaß mit einem Zitat aus den Sprüchen Salomos, das wucherische Warenzurückhaltung verurteilt, zeigt. Auch Kornjuden, die von Hungernden um Lebensmittel angefleht werden (1772) oder auf Getreidehaufen thronen (Inflationsjahr 1923), sind dargestellt, wie auch solche, die sich nach überstandener Hungersnot erhängen (1695, 1773), weil durch die wieder ausreichende Ernte ihre (unterstellten) Wuchergeschäfte nicht gelangen.

Kreuzer, die erste Münze dieses Namens war eine kleine Groschenmünze, die Meinhard II. von Görz-Tirol ab 1272 in Meran prägen ließ. Sie hatte den Wert von 20 kleinen Veroneser Pfennigen, daher der ursprüngliche Name Zwanziger. Den anfangs inoffiziellen Namen Kreuzer vom Doppel- oder Radkreuz auf der Vorderseite bekam die Münze erst, als sie im 14. Jh. nach Norden vordrang. Das ursprüngliche Münzbild wurde lange beibehalten, was die Verbreitung der Münze förderte. Seit 1458 wurde der Kreuzer als Münze im Wert von vier Wiener Pfennigen auch in Österreich geprägt. Ab 1500 begannen viele deutsche Münzstände mit der Prägung von Kreuzern und auch von 2- und 4-Kreuzer-Stücken (Halbbatzen und Batzen). Nachdem der Pfennig im 16. Jh. zur Kleinmünze abgesunken war, wurde der Kreuzer die Basis der Währung in Österreich und Süddeutschland. 60 Kreuzer waren ein Gulden, vier Pfennige gingen auf einen Kreuzer. Der einfache Kreuzer wurde zur Billon- und in Österreich im 18. Jh. sogar zur Kupfermünze. Der Kreuzer als 1/60 des Gulden galt in Süddeutschland bis zur Einführung der Mark 1875, in Österreich bis zur Einführung der Kronenwährung 1892.

Kronentaler, in Bayern Krontaler: 1755 in den österreichischen Niederlanden eingeführte Talermünze, benannt nach den Kronen in den Winkeln des Andreaskreuzes auf der Vorderseite. Seit 1790 wurde er auch in den Münzstätten Wien, Günzburg, Kremnitz und Mailand massenhaft für den Bedarf der österreichischen Truppen in den Kriegen gegen Frankreich geprägt. Österreich konnte bei den süddeutschen Staaten durchsetzen, dass die Kronentaler zu einem den Metallwert übersteigenden Kurs gerechnet wurden (162 statt 158 Kreuzern); deshalb verdrängten sie die besseren Silbermünzen, die > Konventionswährung und die französischen Talermünzen rasch aus dem Geldverkehr. Als Österreich die Prägung von Kronentalern einstellte, beherrschten diese den Geldverkehr in Süddeutschland bereits so sehr, dass viele süddeutsche Staaten nun eigene Kronentaler prägten, zuerst 1809 Bayern. Der Münchner Münzvertrag von 1837 sah die Abwertung der halben und viertel Kronentaler und die allmähliche Umprägung der ganzen Kronentaler in Guldenmünzen vor; noch 1870 waren aber viele Kronentaler im Umlauf.

Kurantmünze, früher die Bezeichnung für eine "vollwertige, umlaufende, gangbare, kursierende" Münze, deren Nennwert voll ihrem Metallwert entspricht, abzüglich eines geringen "Schlagschatzes", des Gewinns für den Münzherrn. Gegenteil ist die Scheidemünze.

Livre, von lat. libra = Waage, franz. für Pfund, französische Rechnungseinheit, 1 Livre = 20 Sous bzw. 240 Deniers. Ihr Wert ist an den Sous gebunden. Bereits in karolingischer Zeit bezeugt. Unter König Philipp II. Auguste (1180-1223) verbreitete sich die Livre parisis in Nordfrankreich. Im 15. Jh. setzte sich die um ein Viertel leichtere Livre tournois in allen Landesteilen durch. Zwar sank der Wert der Livre in den folgenden Jahrhunderten, doch blieb sie bis Ende des 18. Jhs. die wichtigste Rechnungsgröße. Ausprägungen als Lis d'argent und Lis d'or erfolgten in den 1650er Jahren. Nach der Französischen Revolution wurde die Livre durch den in 100 Centimes geteilten Franc abgelöst.

Maria-Theresien-Taler, Konventionstaler nach der Münzkonvention von 1753 (Konventionswährung) mit dem Bild der Kaiserin Maria Theresia. "Der" eigentliche M. wurde der in der Münzstätte Günzburg geprägte Taler mit Jahreszahl 1780, der Darstellung der Kaiserin mit Witwenschleier und den Initialen S.F. (Münzbeamte Schobel und Faby). Er wurde für den Handel mit der Levante und dem Orient nach 1780 zuerst in Günzburg und dann in Wien unverändert bis heute weitergeprägt. Der M. wurde zur wichtigsten Handelsmünze in der Levante, in Arabien und in Äthiopien und verbreitete sich auch in Westafrika. Der beständige Münzfuß, die das Beschneiden verhindernde Randriffelung und das üppige Bildnis der Kaiserin förderten seine Beliebtheit. Im Jemen und in Äthiopien hielt er sich bis weit ins 20. Jh. Der jemenitische Rial und der äthiopische Talari sind direkt vom Marie-Theresien-Taler abgeleitet.

Mark, ursprünglich Bezeichnung für ein Edelmetallgewicht, erstmals 857 in England und 1045 in Deutschland belegt. Das Wort leitet sich wohl von der gesamtgermanischen Bezeichnung für "Marke", "Markierung" ab. Mit der "Marke" wurde gezeigt, dass eine bestimmte Menge von Einheiten abgezählt war. Die Einteilung der Mark in acht Unzen wurde aus dem angelsächsisch-skandinavischen System übernommen. An verschiedenen Orten wurde mit unterschiedlichen Markgewichten gerechnet; die wichtigste in Deutschland war die Kölner Mark, die an vielen Orten übernommen, dann aber auch wieder verschieden gerechnet wurde. Ab dem 15. Jh. verdrängte die Kölner Mark in Deutschland die übrigen Markgewichte. Die Eßlinger Reichsmünzordnung von 1524 legte die Kölner Mark als Grundgewicht fest; dem folgten auch die späteren Reichsmünzordnungen, und auch späteren Münzsystemen wie der Konventionswährung lag die Kölner Mark zugrunde. Ein allgemein verbindliches Normgewicht für die Kölner Mark wurde aber erst 1836/38 akzeptiert; es lag bei 233,8875 g. Als Münzeinheit begegnet die Mark seit 1502/1506 in Lübeck, Lüneburg, Hamburg, Wismar (Lübische Mark). Die letzten Markmünzen wurden 1809 in Hamburg geprägt; die Lübische oder Hamburger Kurantwährung mit 34 (ab 1855: 35) Mark auf die Kölnische Mark galt bis zur Einführung der deutschen Reichswährung. Auch für diese wurde als eine Reminiszenz auf die Währung der Hansestädte der Name Mark gewählt. Ausgangspunkt dieser Währung war allerdings der Vereinstaler, dessen Drittel der neuen Mark entsprach. Die neue Währung, eingeteilt in 100 Pfennige, war eine Goldwährung, die bis zum Ersten Weltkrieg stabil blieb.

Medaille, aus dem Italienischen: medaglia; ursprüngl. lat.: metallum, ist eine zu besonderen Anlässen geschaffene Schaumünze, die nicht für den Geldverkehr bestimmt ist. Erste Medaillen sind 1402 im Besitz des Herzogs Jean de Berry bezeugt. Sie zeigen die christlichen Kaiser Konstantin der Große und Heraklius. Den eigentlichen Beginn der Medaillenkunst markiert eine Schaumünze (Durchmesser 104 Millimeter), die Antonio Pisanello 1438/39 für den byzantinischen Kaiser Johannes VIII. Palaeologus anfertigte. Zuerst italienische, bald nach 1500 auch deutsche Medailleure schufen außerordentlich qualitätsvolle Werke. Die Medaillen der Barockzeit (17./18. Jh.) und des Historismus (19. Jh.) sind vor allem von historischem Interesse. In der Zeit des Jugendstils (um 1900) beginnt der Weg zur modernen Medaillenkunst. Das 20. Jh. hat eine Reihe von künstlerisch hochstehenden Werken hervorgebracht, die deutlich von den in großen Mengen hergestellten sogenannten Kommerz-Medaillen zu unterscheiden sind.

Münze, handliches, normiertes Stück Metall (selten: Keramik, Pappe), durch dessen Bild der Wert zumeist von einem Fürsten, einem Staat, einer Stadt (selten: Firma; Privatperson) garantiert wird. Die Münze erleichtert als allgemein anerkanntes Wertobjekt den Handel (Transfer von Waren und Dienstleistungen) und die Aufbewahrung von Werten (Kurantmünze; Scheidemünze). In beiden Funktionen wird sie immer unwichtiger; durch Papiergeld, Geldkarten und bargeldlosen Zahlungsverkehr hat sie heute nur noch die Bedeutung von Kleingeld, als Geldanlage wurde das Horten von Bargeld durch verschiedene unbare Spar- und Anlageformen abgelöst.

Münzmandat, Münzedikt, Münzvorschrift, Ordonnancie, Placcard. schriftliche, zur Bekanntmachung bestimmte münzrechtliche Verordnung des Münzherrn oder einer anderen berechtigten Institution (z. B. der Reichskreise) zur Regelung des Münz- und Geldwesens in ihrem Zuständigkeitsbereich. Die zunächst handschriftlich abgefassten, später gedruckten Mandate enthielten Vorschriften über die Gültigkeit und die Verpflichtung zur Annahme bzw. die Ungültigkeit bestimmter Münzsorten, informierten über die Bewertung fremder, im eigenen Territorium umlaufender Münzen oder noch kursierender älterer Gepräge, warnten vor Fälschungen und führten teilweise auch Strafbestimmungen für Zuwiderhandlungen an. Viele Mandate zeigen Abbildungen der beschriebenen Prägungen, meist als Holzschnitt, seltener als Stich, bisweilen koloriert. Häufig handelt es sich um zum Aushang vorgesehene großformatige Einzelblätter, es existieren aber auch mehrseitige Mandate, manche in Buchform gebunden. Nach spezieller inhaltlicher Ausrichtung unterscheidet man Münztarife (Wertsetzungen fremder Gepräge in eigener Währung), Valvationen (Wertbestimmungen), Münzverrufungen (Außerkurssetzungen) und Münzverwarnungen (Hinweise auf Fälschungen). Zusammenfassende Rechtsvorschriften über das gesamte Münzsystem werden als Münzordnungen bezeichnet. Von den amtlichen Verlautbarungen zu trennen sind münzbewertende oder münzbeschreibende Druckerzeugnisse (Kataloge, Traktate), die von privater Seite publiziert wurden und als Handbücher für Kaufleute und Wechsler bis ins 19. Jh. weite Verbreitung fanden. Zu den frühesten offiziellen Münzmandaten zählen Exemplare aus Augsburg (um 1481), Löwen (1485) und Paris (1499). Im 16. und 17. Jh. stieg die Zahl münzrechtlicher Druckwerke erheblich an; besonders im Kontext des Dreißigjährigen Krieges bildeten Münzmandate die Grundlage, um gegen auswärtige oder einheimische "schlechte" (im Edelmetallgehalt reduzierte) Münzen vorzugehen, die das eigene Gebiet überschwemmten und katastrophale Auswirkungen auf das Wirtschafts- und Sozial leben breiter Bevölkerungsschichten zeitigten.

Münzwaagen und -gewichte, Feinwaage zum Nachwiegen der frisch geprägten Münzen in der Münzstätte und zur Prüfung der kursierenden Münzen durch Händler und Bankiers auf Echtheit und Verringerung des Gewichtes durch Beschneiden und Befeilen. Münzwaagen gab es bereits in der Antike, sie wurde das Attribut der römischen Göttin der Münzprägung, Moneta. Im Hochmittelalter war das Wiegen der Pfennigmünzen verboten, um ein Aussortieren der schwereren Stücke zu verhindern. Mit dem Aufkommen der Goldmünzen im 14. Jh. wurde die Münzwaage ein unentbehrliches Hilfsmittel. Ab dem 15. Jh. gehörten Holzkästchen mit Münzwaagen und den Normal- oder "Passiergewichten" der gängigen Münzsorten (in der Regel Goldmünzen) zur Ausstattung des Kaufmanns und Geldwechslers. Zentren der Waagen- und Gewichtsproduktion in Deutschland waren im 16. und 17. Jh. Köln und Nürnberg. Mit der Verbesserung der Prägetechnik, der Vereinheitlichung der Münzen und dem Verdrängen fremder Münzsorten aus dem Geldverkehr verschwanden auch die Münzwaagen aus dem alltäglichen Gebrauch.

 


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