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Münzlexikon
Bücher Karl V.
Münzenhandbuch aus der Zeit Karl V.
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Antoninian, römischer Doppeldenar, nach Kaiser Caracalla, d. h. M. Aurelius Antoninus, benannt. Die Nominalbezeichnung ist eine moderne Erfindung der Wissenschaft. Der antike Name des Antoninians im Osten des Reiches war vielleicht Bicharactus. Das Wort (BICHARACTA M[oneta]) findet sich auf einem im karischen Aphrodisias gefundenen, zum diocletianischen Höchstpreisedikt gehörenden lateinischen Inschriftenfragment. Der Münzname ist ein hapax legomenon. Es ist aber kaum anzunehmen, dass die Münze auch in Gallien so genannt wurde. Der Antoninian war die Leitmünze der Soldatenkaiserzeit und wurde im Jahr 215 unter Caracalla eingeführt. (In RIC IV 1, 246, Nr. 245 wird ein Antoninian zum Jahr 214 erwähnt [nach Cohen 243]. Es handelt sich dabei aber wohl um eine Verlesung der tribunizischen Gewalt des Caracalla in TR P XVII [Jahr 214] statt TR P XVIII [Jahr 215]). Dieser war nominell ein Doppeldenar, besaß mit einem ursprünglichen Sollgewicht von 5,1 Gramm tatsächlich aber nur den Wert eines eineinhalbfachen Denars. Während unter Macrinus und Elagabal Antoniniane in geringen Mengen ausgeprägt wurden, ließ Maximinus Thrax wie sein Vorgänger Severus Alexander ausschließlich Denare ausgeben. Der Übergang von der Denar- zur Antoninianprägung fällt in die Regierungszeit des Balbinus und Pupienus. Diese Entwicklung setzte sich unter Gordian III. fort, bei dem der Antoninian bereits in der ersten Emission stark dominiert. Ende 240/Anfang 241 wurden die letzten quantitativ bedeutsamen Denaremissionen der römischen Münzgeschichte ausgeprägt. Mit der endgültigen Umstellung der Währung auf den Antoninian wurde die expeditio orientalis des Gordian III. mitfinanziert. Zur Zeit des Philipp I. war er aus dem Geldverkehr weitgehend verschwunden. Im Jahr 274 wurde unter Kaiser Aurelian ein Reformantoninian eingeführt, dessen besonderes Kennzeichen die Wertmarke XX I bzw. K A im Abschnitt ist.

Batzen, von Batz oder Petz = Bär (?), in Süddeutschland und der Schweiz ab dem Ende des 15. Jhs. geprägte größere Silbermünzen im Wert von vier Kreuzern, die den wegen der Verknappung der böhmischen und sächsischen Groschen in Süddeutschland steigenden Bedarf an größeren Münzen decken sollten. Zu den ersten Batzen gehörten diejenigen von Bern (ab 1492), vom Berner Wappentier stammt vielleicht der Name. Die Batzen breiteten sich in ganz Süddeutschland aus, obwohl sie z.T. von sehr unterschiedlicher Güte waren. Wegen der vielen schlechten Batzen sprachen sich die Reichstage von 1522 und 1524 gegen diese Münzen aus. Sie wurden noch bis in die 1530er Jahre geprägt und verschwanden nach 1559 aus dem Geldverkehr. Noch im 18. Jh. wurden 4-Kreuzer-Stücke z. T. als Batzen und höhere Vielfache entsprechend als Dreibätzner und Sechsbätzner bezeichnet. In der Schweiz gab es den Batzen bis 1850 in verschiedenen Kantonen, das 10-Rappen-Stück wird z. T. bis heute im Volksmund Batzen genannt.

Billon, schlechte Silberlegierung mit einem Silberanteil unter 50 Prozent.

Brakteat, von lat.: brattea, bractea = dünnes Blatt aus Metall, auch Hohlpfennig: Einseitiger Silberpfennig (> Pfennig), dessen Schrötling so dünn ist, dass sich der Prägestempel auf der Rückseite abzeichnet. Der Begriff wird in der Numismatik seit Ende des 17. Jh. verwendet. Der besonders leichte Münztyp kam um 1130 im ostdeutschen Bereich (Meißen, bald danach Erfurt und Magdeburg) auf und verbreitete sich schnell in Norddeutschland. Grenzlinien bildeten im Westen die Weser und im Süden der Main. Ein eigenständiges Brakteaten-Gebiet bestand seit ca. 1180 im weiten Raum um den Bodensee. Die künstlerisch interessantesten Prägungen entstanden im 12. Jh. Oft zeigen sie frontal dargestellte Herrscher oder Lokalheilige, dazu symmetrisch angeordnete Architekturen in den Formen der Romanik. Brakteaten waren so fragil, dass sie nicht lange im Umlauf blieben. Sie wurden durch Münzverrufungen eingezogen, wobei der Münzherr, der eine neue Prägung veranlasste, vom Umtausch profitierte. Spiegelbildliche Münzbilder erlaubten die Teilung in Halbwerte.

Denar, von lat. denarius "je zehn (deni) enthaltend", eine kurz vor 211 v. Chr. eingeführte römische Silbermünze. Diese war, wie der Name sagt, zehn Asses wert, was mit der Wertzahl X auf der Münze angegeben ist. Um 141 v. Chr. wurde der Wert eines Denars auf 16 Asses angehoben, eine Relation, die bis in die hohe Kaiserzeit bestehen blieb. Die frühen Denare stellen auf der Vorderseite den behelmten Kopf der Roma mit der Wertangabe X dar, auf der Rückseite die reitenden Dioskuren; darunter findet sich das Ethnikon ROMA. Nach und nach erweitert sich, beginnend mit den Münzrückseiten, das Bildrepertoire; auch kommen seit der zweiten Hälfte des 2. Jhs. v. Chr. die abgekürzten Namen der Münzmeister hinzu. In der Zeit der späten Republik dienen die Denare der Familienpropaganda. In der Kaiserzeit bleibt der Denar das Leitnominal, bis er in der Zeit der Soldatenkaiser durch den Antoninian abgelöst wird. Wie aus dem Matthäusevangelium (20, 1 f.) hervorgeht, bildete der Denar den Lohn eines einfachen Arbeiters und diente damit der Existenzsicherung einer Kleinfamilie.

Dollar, abgeleitet vom deutschen Taler: Währung der USA, Kanadas, Australiens und fast 40 weiterer Staaten. Schon die ab Mitte des 16. Jhs. in England geprägte Taler-Münze, die Crown, wurde volkstümlich als "Dollar" bezeichnet. Offiziell hieß eine 1676 bis 1682 ausgegebene schottische Silbermünze, die 4 Merk galt, 26,94 Gramm wog und 24,695 Gramm Silber hielt, "Dollar". Die unter den schottischen Herrschern Maria (1542-1567) und James VI. (1567-1625) geprägten silbernen Ryals trugen den Beinamen "Dollar". In den englischen Kolonien Nordamerikas erhielt das den Geldumlauf beherrschende silberne spanische 8-Reales-Stück (Peso de á ocho, "Stück von Achten", Feingewicht 25,57 Gramm) den Namen "Dollar". Die vom amerikanischen Kongress am 10. Mai 1775 zur Finanzierung des Unabhängigkeitskriegs gegen England ausgegebenen "Continental Bills" genannten Geldscheine wiesen als Wertangabe die Bezeichnung "Dollar" auf. Der Coinage Act vom 2. April 1792 bestimmte den Dollar zu 10 Dime und 100 Cent mit fester Gold- und Silberparität (1,604 Gramm bzw. 24,056 Gramm) zur Hauptwährungseinheit der USA. 1794 kamen die ersten Exemplare des Silberdollar in Philadelphia zur Ausprägung. Dieser Dollar entsprach dem spanisch-mexikanischen Peso, der noch bis 1857 als "Dollar" in den USA umlief. Durch den Gold Standard Act vom 14. März 1900 wurde der Wert des US-Dollar ausschließlich durch seinen Goldgehalt festgelegt. 1934, 1971 und 1973 erfolgten Abwertungen auf zuletzt 0,737 Gramm Gold. Der US-Dollar wurde zur Leitwährung der westlichen Welt (Konferenz 1944 in Bretton Woods), sein Wechselkurs an den Börsen besitzt Signalfunktion.

Drachme, die Bezeichnung des Silbernominals leitet sich von dem griechischen Verb drasso (att. dratto) "zusammenfassen, ergreifen" ab und bezeichnet ursprünglich eigentlich "das Gefaßte", eben so viel wie man mit einer Hand fassen kann, nämlich sechs Oboloi "Spieße". Eine Athener Silberdrachme ist etwa vier Gramm schwer; zwei Drachmen ergaben eine Di-, vier Drachmen eine Tetradrachme. Wie aus den Bauinschriften von der Athener Akropolis hervorgeht, entsprach die Drachme dem Tageslohn eines Zimmermanns oder Bildhauers und ist damit dem römischen Denar vergleichbar. Für eine Drachme konnte man im klassischen Athen eine Buchrolle erwerben.

Euro, gemeinsame Währungseinheit von 19 Staaten der Europäischen Union (Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien und im griechischen Teil Zyperns) sowie vom Kosovo, von Montenegro, Andorra, Monaco, San Marino und dem Staat der Vatikanstadt, als Bargeld eingeführt am 1. Januar 2002 (als Buchgeld am 1. Januar 1999; von 11 EU-Staaten beschlossen am 2. Mai 1998, die Bezeichnung Euro bereits festgelegt am 15. Dezember 1995); alle acht Umlaufmünzen zeigen identische Vorder- und national unterschiedliche Rückseiten, die Banknoten weisen keine nationale Seite auf. Euro-Gedenkmünzen besitzen gesetzmäßigen Wert ausschließlich im Ausgabeland; ihr Nominalwert ist nur fiktiv, auch bei gleichem Nominalwert sind diese Sammlermünzen in Gewicht, Größe, Metall und Darstellung in jedem ausgebenden Land völlig unterschiedlich.

FAO-Münzen, von den der "Food and Agriculture Organization" (Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation) angehörenden Nationen seit 1968 ausgegebene Gedenk- und Umlaufmünzen, die meist Darstellungen landwirtschaftlicher Motive und die Aufschrift "Grow more food!" (Produziert mehr Lebensmittel!) zeigen und die Ziele der 1945 gegründeten, seit 1952 in Rom ansässigen und derzeit 188 Mitgliedstaaten umfassenden Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die Hebung des Ernährungs- und Lebensstandards der Völker und die Befreiung der Menschheit von Hunger, propagieren.

Gedenkmünze, zur Erinnerung an ein besonderes Ereignis oder Jubiläum geprägte Münze, im Gegensatz zur Medaille als gültiges Zahlungsmittel nach den Normen des jeweiligen Münzsystems geprägt. Zum Teil wird noch zwischen Geschichtsmünzen auf ein historisches Ereignis bzw. Jubiläum und Gedenkmünzen zu einem aktuellen Anlass wie Krönung, Hochzeit, Tod eines Herrschers unterschieden. Im 17. Jh. waren als Gedenkmünzen besonders Taler und deren Vielfache beliebt. Die Prägung von Gedenkmünzen wurde mit der Serie der bayerischen Geschichtstaler Ludwigs I. neu belebt. Die zahlreichen Gedenkmünzen der Gegenwart werden vor allem zum Verkauf an Sammler geprägt.

Gnadenpfennig, eine Art Vorläufer der Orden, besondere Medaillen, z. T. mit einer besonders schmuckvollen Fassung versehen, die von den Fürsten im 16. und 17. Jh. als Auszeichnungen an hohe Heerführer und Beamte verliehen wurden. Die Vorderseite zeigt meist ein Bildnis des Fürsten, die Rückseite sein Wappen.

Groschen, der Groschen war die erste größere Silbermünze des Mittelalters; der Name leitet sich von grossus denarius, dicker Denar, ab und bezeichnete eine Münze im Wert von mehreren Denaren (Deniers; Pfennigen). Der Grundtyp wurde 1204 in Venedig eingeführt (italienisch Grosso). Ab 1266 ließ Ludwig der Heilige von Frankreich in Tours diese Münze im Wert von 12 Deniers prägen (Gros tournois, deutsch Turnose). Die Groschenmünzen verbreiteten sich rasch in Westeuropa, noch vor 1300 wurden sie in den Niederlanden nachgeahmt, im 14. Jh. dann auch im ganzen deutschen Reich übernommen. Besondere Bedeutung erlangten die böhmischen (Prager, ab ca. 1300) und die sächsischen (Meißner, ab 1338) Groschen. In der Neuzeit blieb der Groschen die wichtigste Scheidemünze in Norddeutschland (ab ca. 1570 allgemein 1/24 Taler; ab 1819 in Preußen als "Silbergroschen": 1/30 Taler) bis zur Einführung der Markwährung 1872/75. Die Bezeichnung "Groschen" überlebte in Polen (Grosny als der hundertste Teil des Zloty) und wurde der Name des Teilwerts der österreichischen Schillingwährung (1924-1938; 1944-2001).

Gulden, abgeleitet von golden oder Goldener. Florenz begann 1252 mit der Prägung von Goldmünzen mit der Lilienblüte als dem Stadtsymbol. Von der Bezeichnung dieser Münze als Fiorino leiten sich die Bezeichnung Florin und die Abkürzung fl. ab. Die Fiorini verbreiteten sich als Handelsmünzen rasch vor allem in Mitteleuropa. Aus Nachprägungen entwickelten sich die rheinischen Gulden, um 1340 wurden sie in Deutschland von 25 Münzherren geschlagen. Besonders verbreiteten sich die ab 1325 geprägten ungarischen Gulden. Der Gulden wurde die wichtigste goldene Handelsmünze des späten Mittelalters, wobei sich der Goldgehalt allmählich verschlechterte. Ab 1486 wurde er auch mit dem entsprechenden Wert als große Silbermünze geprägt (Guldiner, Guldengroschen), woraus sich die Taler entwickelten. Der silberne sog. Guldentaler der Reichsmünzordnung von 1559 blieb im wesentlichen auf Süddeutschland beschränkt. Der Gulden blieb vor allem Rechnungsmünze, als silberne Umlaufmünze kam er im 17. Jh. in vielen Münzständen auf. Nach wie vor in 60 Kreuzer eingeteilt, entsprach er in Süddeutschland und Österreich dem halben Taler der Konventionswährung von 1753, wobei Bayern und ihm folgend Süddeutschland den Wert des Rechnungsgulden gegenüber den Münzen um 20 Prozent senken mussten. Im 19. Jh. blieb der Gulden bis zur Einführung der Mark die Währung der süddeutschen Staaten, als Umlaufmünze geprägt ab 1837. In Österreich wurde der Gulden 1892 durch die Kronenwährung ersetzt, in den Niederlanden wurde er 2002 durch den Euro abgelöst. Der Gulden hielt sich in Ungarn als Forint und in Polen als Zloty.

 


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