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Geldgeschichte
Entstehung
Überblick
Münzlexikon

Geldgeschichte im Überblick

Zahlungsmittel in China

Unabhängig von der Entwicklung des Münzsystems in unserem Kulturkreis entstand in Ostasien ein völlig eigenes Geldsystem. Dieses basierte nicht auf dem Wert des Edelmetalls, sondern auf dem Gebrauchswert von Bronzegeräten wie Spaten und Messern. Diese wurden allgemein akzeptierte Tauschmittel und als solche dann ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. auch nur noch als Zahlungsmittel, nicht mehr für den praktischen Gebrauch, hergestellt (sog. "Kümmerformen" von Gerätegeld). Bereits für das 2. Jahrtausend v. Chr. sind auch Kaurischnecken als Zahlungsmittel belegt; noch für das 13. Jh. n. Chr. finden wir sie besonders in Südchina im Gebrauch. Andere Gegenstände wie Seide, Pferde oder Jade wurden eher als Tauschmittel angesehen.

Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. erschienen auch die ersten Rundmünzen mit einem runden oder dem später charakteristischen viereckigen Loch. Sie wurden "Himmelsmünzen" genannt; in der chinesischen Kosmologie stellte man sich den Himmel rund, die Erde jedoch quadratisch vor. Im 4. Jahrhundert v. Chr. erhielt die chinesische Münze dann ihre charakteristische Gestalt, die sie über 2000 Jahre fast unverändert beibehielt.

Mit der Gründung des chinesischen Kaiserreiches durch Qin Shi Huangdi, dem Fürsten des Staates Qin und ersten Kaiser Chinas, im Jahre 221 v. Chr. wurden auch die Maß- und Gewichtssysteme in ganz China vereinheitlicht. Die Spaten- und Messermünzen wurden überall durch die runde Ban Liang-Münze ersetzt. Im 9. Jahrhundert kam schließlich das Papiergeld - zunächst private Vorläufer, ab dem 10. Jahrhundert dann die staatlichen Emissionen.

Währung Griechenlands

Tetradrachme, etwa 461/430 v. Chr., Naxos, Sizilien
Tetradrachme, etwa 461/430 v. Chr., Naxos, Sizilien

 

Mit dem Aufstieg der griechischen Handelsstädte im 6. Jahrhundert vor Christus kam auch dem Münzgeld alsbald zentrale Bedeutung zu. Bis etwa 400 v. Chr. setzte sich das Münzgeld in ganz Griechenland als Tauschmittel durch. Allerdings gab es lange Zeit kein einheitliches griechisches Münzsystem, sondern mehrere Regionen, in denen eine bestimmte Münzfamilie dominierte. Lange Zeit waren die Münzen aus Aegina mit der Schildkröte als Bildnis, aus Korinth mit dem Pegasus und aus Athen mit der Eule die vorherrschenden Zahlungsmittel des antiken Griechenlands.

Aber auch in vielen griechischen Kolonien wurden Münzen geprägt. Syrakus aus Sizilien entwickelte dabei die ausgeprägteste Münzkultur außerhalb des klassischen Griechenlands. Bestimmende Motive waren meist Götterbilder oder Tiere - erst mit Alexander dem Großen und seinen Nachfolgern ("Diadochen") setzte sich auch die Darstellung von Herrschern auf den Münzen durch.

Römische Währung

Der Zeit um 300 v. Chr. Sie wurden aus Kupfer oder Bronze erst gegossen, später geprägt. Als Motiv trugen die Münzen auf der Rückseite ab ca. 225 v. Chr. ein Schiffsvorderteil. Auf der Vorderseite waren verschiedene Götterbilder zu sehen. Die erste römische Silbermünze wurde um 280 v. Chr. geschlagen. Auf der Vorderseite war der Kopf der Göttin Minerva zu sehen, auf der Rückseite ein Pferdekopf. Allerdings setzte sich die Silberprägung in Rom erst um 187 v. Chr. mit dem Denar durch. Bei der Gestaltung der Münzen hatten die Münzmeister allerdings freie Hand - so waren meist Motive aus der Mythologie und der römischen Geschichte sowie der Vorfahren der Münzmeister zu sehen. Als erstem Lebendem wurde Gajus Julius Cäsar vom Senat das Recht verliehen, sein Bildnis auf einer Münze zu verewigen - jedoch erst in seinem Todesjahr 44 v. Chr.

Cäsar - und später sein Nachfolger Augustus - führten im 1. vorchristlichen Jahrhundert eine umfassende Währungsreform durch, die rund 200 Jahre Bestand haben sollte und als Grundlage für weitere Währungsreformen diente. Demnach wurden die römischen Zahlungsmittel nach folgendem Schema aufgeteilt:

Die Wertigkeit der Münzen wurde demnach wie folgt abgeleitet: 1 Aureus = 25 Denare = 100 Sesterzen = 200 Dupondien = 400 Asse = 800 Semisses = 1600 Quadranten.

Im Laufe des 3. Jahrhunderts nach Christus wurde das römische Prägewesen immer weiter dezentralisiert, weil Münztransporte immer gefährlicher geworden waren. In der Spätantike ließen die Porträtgenauigkeit der Kaiserdarstellungen und die Vielfalt der Münzbilder deutlich nach.

Byzantinische Währung

Nach dem Ende des Weströmischen Reiches entwickelte das Oströmische Reich eine eigenständige Währung, die auf dem bereits von Konstantin I. (306-337 n. Chr.) eingeführten goldenen Solidus basierte. Mit der Währungsreform des byzantinischen Kaisers Anastasios I. im Jahr 498 wurde für lange Zeit in der Kupferprägung ein auf der Grundeinheit des "Numerion" basierendes Währungssystem eingeführt.

Münzen des Mittelalters

Mit dem Beginn des Frühmittelalters ging der Umlauf von Münzen in Europa stark zurück. So nahm der Tauschhandel wieder zu - größere Geldgeschäfte wurden oft mit ungemünztem Metall beglichen. Die wenigen Münzen, die in dieser Zeit geprägt wurden, waren meist Kopien der römischen Vorbilder. Die Münzordnungen der verschiedenen Herrscher legten oftmals nur fest, wie schwer die einzelnen Münzen sein sollten - an der Gestaltung änderten sie nichts.

Während der Herrschaft des fränkischen Herrschergeschlechts der Merowinger wurden nur selten Münzen geprägt. Es wird angenommen, dass die Münzmeister durch das Reich zogen und "vor Ort" prägten, wo es gerade Gold oder Silber gab. Mit den Karolingern setzte sich schließlich der Pfennig als wichtigste Münze des Mittelalters durch. Karl der Große legte um 800 fest, dass aus einem Pfund Silber genau 240 Pfennige zu prägen sein und dass ein Schilling einem Wert von zwölf Pfennigen entsprechen sollte. In Großbritannien wurde noch bis zur Einführung des Dezimalsystems nach diesem Prinzip gerechnet.

Gegen Ende des 9. Jahrhunderts begann der Prozeß, der in Deutschland für ein volles Jahrtausend zur Zersplitterung des Geldwesens führen sollte. Immer häufiger wurde geistlichen und dann auch weltlichen Fürsten das Münzrecht übertragen, das ursprünglich ein Vorrecht des Königs gewesen war. Die Zersplitterung des deutschen Münzwesens äußert sich außer in der großen Zahl der prägeberechtigten Münzherren auch darin, daß sich der bislang weitgehend einheitliche deutsche Währungsraum in zahlreiche regionale Währungsgebiete auflöste.

Deutsche Währungen der Neuzeit

Auch in der frühen Neuzeit änderte sich an der politischen Kleinstaaterei wie auch an der Zersplitterung des Geldwesens in Deutschland wenig. Die Reichsmünzordnungen des 16. Jahrhunderts hatten ebensowenig dauerhaften Erfolg wie verschiedene Münzvereinbarungen mehrerer Einzelstaaten. 1753 hatten Österreich und Bayern eine Münzkonvention geschlossen, mit einheitlichen Münzen, wenn auch unterschiedlicher Guldenrechnung. Viele süddeutsche Staaten schlossen sich dieser Konvention an, während sich in Norddeutschland der ab 1750 als "Reichstaler" geprägte preußische Taler immer mehr durchsetzte.

Auch nach der "Flurbereinigung" unter Napoleon, dem Ende des "Heiligen Römischen Reiches" 1806 und der Gründung des Deutschen Bundes 1815 war man in Deutschland jedoch weit von einem einheitlichen Staatengefüge entfernt - auch an eine einheitliche Währung war noch nicht zu denken.

Die Münzverhältnisse konnten nur schrittweise bereinigt werden. 1837 einigten sich die süddeutschen Staaten im Münchner Münzvertrag auf einheitliche, neue Münzen der süddeutschen Guldenwährung.

Mit dem Dresdner Münzvertrag von 1838 legten die Mitgliedstaaten des Deutschen Zollvereins eine gemeinsame Vereinsmünze für Süd- und Norddeutschland fest. Die Münze hatte den Wert von dreieinhalb süddeutschen Gulden oder zwei preußischen Talern. Der Wiener Münzvertrag von 1857 bestimmte schließlich den preußischen Taler als "Vereinstaler" als einheitliche Vereinsmünze für nahezu alle deutschen Staaten. Es blieb jedoch weiterhin bei den unterschiedlichen Währungen mit unterschiedlichen Münzen. Nach der Einigung Deutschlands wurde allerdings nicht dieser Vereinstaler, sondern sein dritter Teil unter der alten Bezeichnung "Mark" Einheit der neuen Reichswährung, dezimal eingeteilt in 100 Pfennige. Die Prägung erfolgte zunächst in neun, später nur noch in sechs Münzstätten. Die damals zur Bezeichnung der Münzstätten eingeführten Buchstaben werden noch heute verwendet.

Während die Nominale bis zu einer Mark einheitliche Münzbilder hatten, waren die größeren Silber- und die Goldmünzen noch sehr vielfältig mit den Köpfen der 22 deutschen Bundesfürsten bzw. den Wappen der drei freien Städte auf einer Seite.

Die neue Währung war nun eine Goldwährung. Immer noch hing der Wert des Geldes am Edelmetall; Banknoten konnten jederzeit in Goldmünzen eingewechselt werden.

Wenige Tage nach Beginn des 1. Weltkriegs wurde die Reichsbank von der Einlösepflicht für ihre Banknoten befreit, gleichzeitig zur Finanzierung der Kriegskosten die Geldmenge gewaltig gesteigert. Diese Entwicklung beschleunigte sich nach dem verlorenen Krieg rasant bis zur Hochinflation von 1923. Im November 1923 waren eine Billion Papiermark schließlich nur noch eine Goldmark der Vorkriegszeit wert.

Auf diesem Niveau konnte endlich die Inflation gestoppt und die sog. "Rentenmark" im Wert von 1 Billion Papiermark eingeführt werden. An ihre Stelle trat bald darauf die Reichsmark.

Die Reichsmark blieb bis 1948 gültig, hatte aber spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg jeden Wert verloren, wie auch die hohen Preise auf dem "Schwarzmarkt" zeigten. Mehr als drei Jahre nach dem Ende des Krieges und dem Zusammenbruch Deutschlands führten die Westalliierten am 20. Juni 1948 eine Währungsreform durch, mit der die Reichsmark durch die "Deutsche Mark" abgelöst wurde. Die "Deutsche Mark" stieg bald zu einer stabilen und wichtigen Währung auf. Der Erfolg der D-Mark war eng verbunden mit dem raschen wirtschaftlichen Wiederaufstieg der jungen Bundesrepublik, dem "Wirtschaftswunder" der 1950er und 60er Jahre.

Nahezu zeitgleich wie in den Westzonen wurde auch in der Sowjetischen Besatzungszone eine Währungsreform durchgeführt. Die "Ostmark" galt unter verschiedenen Bezeichnungen (ab 1964: "Mark der DDR") bis zur Einführung der Deutschen Mark der Bundesrepublik am 1. Juli 1990 kurz vor der deutschen Wiedervereinigung. Am 1. Januar 2002 verloren schließlich auch die Münzen und Banknoten der D-Mark nach 53 Jahren ihren Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Seitdem ist der Euro als europäische Währung in Umlauf.

 


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